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Billigeres Benzin durch gezielten Tankstellen-Boykott

Mittwoch, 28. Mai 2008 um 16:00 Uhr

Kategorie Politik und andere schmutzige Geschäfte | Link zum Artikel

Zur Zeit grassiert eine Ketten-E-Mail, in der zum Boykott diverser Marken-Tankstellen aufgerufen wird, um einen billigeren Benzinpreis zu erzwingen. Diese E-Mails werden vielfach als Hoax oder Spam abgetan, da je nach Version zwei verschiedene Marken-Tankstellen als Ziele des Boykotts genannt werden. Der Boykott selber wird großteils als unwirksames Mittel abqualifiziert Basic Thinking Blog oder schlicht als alter Hut verlacht. mannaz

Ich seh das ein bisschen anders.

Ich halte die Boykott-E-Mails zum einen nicht für automatisierten E-Mail-Spam, da mich noch kein Exemplar davon erreicht hat – verwunderlich bei rund 300 gewöhnlichen Spam-Mails pro Tag. Die Boykott-E-Mail scheint mir also tatsächlich händisch weiterverbreitet zu werden. Ein typischer Fall von Ketten-Mail halt.

Außerdem denke ich, dass sich durch einen Boykott von Marken-Tankstellen tatsächlich ein billigerer Benzin-Preis erzwingen lässt. Die Mineralöl-Industrie, die hinter der Handvoll Marken-Tankstellen steckt, ist es schließlich, denen kein Anlass zu blöd ist, steigende Benzin-Preise zu begründen: “Der Dollar steigt?”, “Der Dollar fällt?”, “Die Öl-Lager sind voll?”, “Die Öl-Lager sind leer?”, “In China fällt ein Sack Reis um?”, “In China bleibt ein Sack Reis stehen?” – “Tut uns leid, aber das zwingt uns dazu, die Benzin-Preise zu erhöhen.”

Mag sein, dass der derzeit überzogene Benzin-Preis in erster Linie von raffgierigen Börsen-Spekulanten verursacht wird – aber diese intelligenzbefreiten Spielkinder bedienen sich ja auch bloß der Schwachsinns-Argumente der Mineralöl-Industrie: “Ogottogott – demnächst wird der letzte Tropfen Mineralöl gefördert sein. Das Ende des motorisierten Individualverkehrs ist nahe!”. Der Dummfug erinnert stark an die Pferdemist-Prognose aus der Mitte des 19. jahrhunderts, nach der die Straßen New Yorks spätestens 1910 vor lauter Pferdeäpfeln unpassierbar sein würden.

Dass die Auto-Industrie mit der Mineralöl-Industrie unter einer Decke steckt, und sei es nur in Form von Aktienbesitz und sprudelnden Dividenden, ist klar: Staatliche Forschungsgelder zur Erkundung alternativer Energien werden zwar gerne und reichlich eingesackt, die Entwicklung von Energiespar-Autos aber nicht wirklich vorangetrieben.

Nächstes Jahr wird die Auto-Industrie, in Krokodils-Tränen getränkt, den Abbau tausender Arbeitsplätze bejammern, weil kaum noch jemand Autos kauft. Das hat von den millionenschweren Managern natürlich keiner vorhergesehen. Aber das ist ein anderes Thema.

Kurz und gut: Ich halte das Tanken an freien Tankstellen und den Boykott von Marken-Tankstellen für das beste Mittel, den steigenden Benzin-Preisen Einhalt zu gebieten.

Nachschlag vom 29.05.2008

In einem Gespräch mit der BILD BILD erzählt der deutsche ARAL-Chef, dass sich die Ölvorkommen zwischen 1980 und 2006 fast verdoppelt haben und dass für dieses Jahrhundert ausreichend Öl vorhanden ist.

Nachschlag vom 03.06.2008

Der SPIEGEL läßt sich vor den Karren der Mineralöl-Industrie spannen und verkündet das Ende des Ölzeitalters – nach Meinung des französischen Erdölmultis TOTAL. Total daneben.

"Alter Falter!"-Artikel mit ähnlicher oder ganz anderer Brisanz:


  • Der Spritpreis kann weiter steigen: Die Finanzkrise ist an allem schuld!
  • Nichtrauchen kann tödlich sein: Erster Toter durch Rauchverbot
  • Die Liste der Schande: 200 Millionäre unterzeichnen Offenen Brief an Angela Merkel
  • Gammelfleisch soll gekennzeichnet werden?
  • Abwrackprämie: Antrags-Formular steht zum Download bereit
  • Dalai Lama befürwortet die Olympischen Spiele in China

11 Kommentare zu “Billigeres Benzin durch gezielten Tankstellen-Boykott”

  1. am Mittwoch, 28. Mai 2008 um 16:57 Uhr1asaaki

    wie gut oder wie schlecht die idee auch sein mag (und vom hoax-gedanken mal abgesehen), der gemeine bundesbürger ist in der hinsicht doch träge. diese mails gibt es wie gesagt schon länger und bisher hat sich doch kaum was getan. getankt wird — trotz allen gejammers — nun wirklich reichlich. das meiste geht doch eh an steuern drauf, wobei wir wohl bald ein 50:50-verhältnis haben werden.

    und meine frage als kfz-/krad-freier mensch: von wem bekommen denn nun die freien tankstellen ihren sprit? ich dachte, wir haben nur eine handvoll lieferanten, und die sind auch noch organisiert.

    also ob die lösung tatsächlich so simpel ist, mag ich bezweifeln, auch wenn es heisst, die einfachste lösung sei mitunter die beste.

  2. am Mittwoch, 28. Mai 2008 um 17:19 Uhr2Stefan

    Klar, ich habe bis vor kurzem aus Bequemlichkeit ab und zu auch noch an Marken-Tankstellen getankt. Aber bei 1,5 Euro pro Liter ist bei mir Schluss diesbezüglich. Ob ich meine alte Möhre nächstes Jahr nochmal über den TÜV bringe oder doch lieber mit dem Taxi fahre, habe ich auch noch nicht entschieden – die meisten Strecken lege ich eh per Bus oder Bahn zurück. Einen Neuwagen, wie letztes Jahr noch geplant, werde ich mir aber definitiv nicht mehr anschaffen.

    Ich denke auch, dass die freien Tankstellen ihren Sprit von den Lieferanten bzw. Besitzern der Marken-Tankstellen beziehen. Aber Preistreiber sind definitiv die Marken-Tankstellen, nicht die freien. Und wenn der Absatz der Marken-Tankstellen zurückgeht, wird der Benzin-Preis folgen.

    Aufgrund der mittlerweile exorbitanten Benzin-Preise traue ich der Ketten-Mail diesmal zu, in größerem Maßstab bewußtseinserweiternde Wirkungen zu entfalten.

  3. am Freitag, 30. Mai 2008 um 12:32 Uhr3Jena er

    Meines Erachtens bringt der Boykott bestimmter marken nicht viel. Einerseits müsste da schon eine gewaltige Menge an Bundesbürgern öffentlichkeitswirksam mitmachen. Andererseits trifft es doch vor allem die Pächter, die dann über ihr eigentliches Einnahmefeld Einzelhandel nichts mehr verdienen.

    Da ist das gute alte Sparen doch wirkungsvoller. Einfach mal etwas langsamer fahren, und schon verkaufen die Ölmultis je Tankfüllung 5-6 Liter weniger. Das tut dann auf die Masse hochgerechnet wirklich weh.

  4. am Samstag, 31. Mai 2008 um 13:46 Uhr4Feierabend

    Spritpreise: reisst euch mal zusammen…

    [...] Heute bin ich auf einen Beitrag gestoßen, dessen Schreiber ein wenig den Ansatz verfolgt [...]…

  5. am Samstag, 31. Mai 2008 um 20:29 Uhr5Ingolf

    Ein solcher Boykott bringt überhaupt nichts. Stellen wir uns – sehr optimistisch – mal vor, dass 30 Prozent der Autofahrer mitmachen. Der Umsatz bei der Kette S geht dann um 30 Prozent zurück. Also senkt die Kette S den Preis pro Liter um 1-2 Cent. Die restlichen 70 Prozent fahren dann wie die Bekloppten genau zu dieser Kette und tanken dort. Das Gedränge an dieser Tanke wird dann immer größer und binnen kürzester Zeit erhöht die Kette den Preis dann wieder.

  6. am Montag, 07. Juli 2008 um 15:05 Uhr6Leonardus

    Ja wir sind ein Land von Pessimisten, und bequemlichen Nörglern die alle “DENKEN” und “MEINEN” aber nie etwas tun.

    Wie wäre mal anders???

    http://www.volksboykott.de

    Ansehen, Lesen, Denken……. Entscheiden?

  7. am Montag, 21. Juli 2008 um 22:53 Uhr7Dieter99

    Heute hat mich eine Boykott-Mail erreicht, die mich anders als andere, sehr überzeugt hat. Man sollte sich einfach mal die Zeit nehmen und die Seite http://www.infopointer.de mal in Ruhe lesen. Ich glaube, dann sind auch viele Skeptiker von dieser Aktion überzeugt.

  8. am Freitag, 25. Juli 2008 um 17:06 Uhr8Tankboykott als Volksboykott? - Alter Falter!

    [...] Aktion selber halte ich für durchaus legitim: Marken-Tankstellen boykottieren und nur noch bei freien Tankstellen tanken . Schließlich ist die Handvoll Ol-Multis für die Sprit-Preistreiberei in Deutschland [...]

  9. am Dienstag, 07. Oktober 2008 um 21:28 Uhr9Der Spritpreis kann weiter steigen: Die Finanzkrise ist an allem schuld! - Alter Falter!

    [...] Falter! hat die Krise der Automobil-Industrie ja schon im Mai prophezeit – was zugegebenermaßen kein Kunststück war: “Nächstes Jahr wird die [...]

  10. am Freitag, 24. Oktober 2008 um 21:14 Uhr10Benzin Preisvergleich - Ist das Sinnvoll? » Herb24-Kaufberatung

    [...] Weiterführende Links: Kraftstoff günstiger, aber Benzin und Super gleicher Preis Billigeres Benzin durch gezielten Tankstellen-Boykott [...]

  11. am Montag, 03. Mai 2010 um 6:11 Uhr11Informant

    Alle labern nur, keiner macht was. Anstatt mitzumachen wird philosophiert. So wird das nie was.

    Ihr müsst mal etwas weiter denken… Was passiert denn, wenn z.B. Aral (größte aller Ketten mit ca. 2.400 Tankstellen, alleinzugehörig zu BP) boykottiert wird??? Entweder geht der Preis runter oder die Kette Aral wird verkauft. Welcher Ölkonzern kann sich jedoch die größte Kette kaufen??? Eine Kette die größer ist als die eigene? Shell wäre der nächst größte (mit 2.000 Tankstellen). Wenn also Shell die Aral aufkauft, wird Shell boykottiert (nun ca. 4.400 Tankstellen in DE). Neues Szenario… Entweder geht der Preis runter oder die Kette wird verkauft. Wer kommt nun als Käufer in Frage??? Die nächst größte Kette ist Esso (zu der auch die Billig-Kette bft gehört) mit 1.100 Tankstellen. Wie soll sich Esso 400 % des eigenen Tankstellen-Volumens leisten können??? Es ist also sehr wahrscheinlich, das also der Preis runter geht, spätestens wenn die 2. Kette boykottiert wird. Denn danach gibt es keinen Verkauf der Kette mehr.

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