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Politiker laufen Amok: Waffen oder Killerspiele verbieten?

Samstag, 14. März 2009 um 13:05 Uhr

Kategorie Politik und andere schmutzige Geschäfte | Link zum Artikel

Privaten Waffenbesitz und/oder Killerspiele komplett zu verbieten, ist gleichermaßen unrealistisch und deswegen eine beliebte Forderung von Politikern, die es mangels Intelligenz und/oder Leistung nicht anders in die Schlagzeilen schaffen.

Angeblich nutzt das amerikanische Militär Killerspiele, um seinen Soldaten die natürliche Hemmschwelle vor dem Töten abzutrainieren. Mit Erfolg, wie man munkelt. Das hat mich als Fan der Fantasy-Egoshooter Doom, Quake und Unreal Tournament doch ein Stück weit betroffen gemacht und sich sogar kurzzeitig negativ auf meine Frag-Statistik ausgewirkt.

Let’s face it: Durch Killerspiele ist noch keiner gestorben. Von vereinzelten Lagerarbeitern einmal abgesehen, die durch umstürzende Killerspiele-Paletten erschlagen wurden.

Was Amokläufe aber erst so richtig gefährlich macht, sind Waffen und Munition. Die gehören halt nicht in Kinderhände. Und hier ist auch noch ausreichend Gelegenheit für zahlreiche weitere Verschärfungen der Waffengesetze.

Bis die schärferen Waffengesetze verabschiedet sind, hier eine kurze Checkliste für Eltern:

Woran erkenne ich, ob mein Bub ein potenzieller Amokläufer ist?

  • Er hantiert mit Papas Schusswaffen
  • Er spielt realistische Killerspiele wie Far Cry
  • Er trägt Militärklamotten und/oder schwarze Ledermäntel

Treffen alle drei Punkte zu, wäre es an der Zeit, sich mal gehörig Sorgen zu machen.

"Alter Falter!"-Artikel mit ähnlicher oder ganz anderer Brisanz:


  • Angela Merkel will den Download von Computern verbieten
  • Nur jeder zweite Halbstarke wehrdiensttauglich? Vorschläge für neue Musterungskriterien
  • Der Spritpreis kann weiter steigen: Die Finanzkrise ist an allem schuld!
  • Ich wrack ab: Auch ohne Fahrzeugschein!
  • Gefährder – mein Wort des Jahres 2007
  • Klonfleisch: Aus deutschen Labors frisch auf den Tisch

16 Kommentare zu “Politiker laufen Amok: Waffen oder Killerspiele verbieten?”

  1. am Samstag, 14. März 2009 um 18:05 Uhr1zweipunktnull » Blog Archive » Killerspiele

    [...] Alter Falter [...]

  2. am Samstag, 14. März 2009 um 23:33 Uhr2Carsten

    AA (Americas Army) ist ein Ego Shooter der auch extra auf Krieg ausgelegt ist, wobei diese Variante noch “harmlos” ist. Die Debatten halte ich für Schwachsinn, gerade weil auf 99% aller PC`s irgend ein Baller Spiel ist. Ego Shooter trainieren Taktiken, Teamplay und Erfolgserlebnisse in Sachen ranking usw. Die, die da oben entscheiden, haben NULL KOMMA NULL Ahnung.

  3. am Sonntag, 15. März 2009 um 0:18 Uhr3Ingolf

    Man muss wirklich aufpassen, dass nicht Leute, die etwas ganz anderes wollen, diese schreckliche Tat benutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Gerade lese ich, dass die Ermittler bekannt gegeben haben, dass auf dem Rechner des Mörders eine größere Zahl von Pornobildern gefunden worden seien. Was wollen uns die Ermittler damit sagen? Dass jeder, der Pornos konsumiert, ein potenzieller Gewalttäter ist? Willkommen in Club.

  4. am Sonntag, 15. März 2009 um 14:56 Uhr4Amoklauf in Winnenden: Politiker und Journalisten schießen scharf | soziolot

    [...] Politiker die Bühne Winnenden zur Selbstdarstellung mit realitätsfremden Forderungen. Im Blog Alter Falter! werden die Politiker daher selbst zu Amokläufern gemacht. Der Waffenbesitz müsse natürlich [...]

  5. am Montag, 16. März 2009 um 0:01 Uhr5Godwi

    Auch ich kann mich nur schwer damit abfinden, dass Politiker immer wieder die windschnittigen Verbote von Computerspielen einfordern. Vor ein paar Jahren bissen sie sich noch stärker an Gewalvideos fest, früher mal an Comics, und im 18. Jahrhundert glaubte man, Bücher würden die Jugend verderben. Medienschelten sind lachhaft, solange es in Schlafzimmern echte Waffen gibt, mit denen sich wirkliche Menschen töten lassen.

    Auf meinem Blog habe ich mich heute mit Angelas Merkel Forderung nach verschärften Waffenkontrollen beschäftigt:

    http://tonwertkorrekturen.word.....fenbesitz/

    Godwi

  6. am Montag, 16. März 2009 um 13:52 Uhr6Ralf

    Richtig! Durch das alleinige Spielen von Killerspielen ist noch keiner umgekommen. Die Politik und die sonst immer so schlauen Medien wissen nicht weiter. Also wird das ganze Dilemma der Gesellschaft, die solche Taten begünstigt, auf zwei Parolen heruntergebrochen, die auch der letzte Vollpfosten begreift:
    - Verbietet Ballerspiele
    - Verbietet Waffen in Privatbesitz
    Kann mir mal irgendjemand für Dummies erklären, wie das funktionieren soll und wer das alles überprüfen soll. Schon das heutige Dickicht der Waffengesetze begreifen ja nicht mal die Beamten, die sich das Ganze ausgedacht haben.

  7. am Montag, 16. März 2009 um 19:27 Uhr7Ingolf

    Ja, die Instrumentalisierung dieses Verbrechens ist reichlich daneben. Damit es keine Missverständnisse gibt: Das Verbrechen ist schrecklich und jeder Tote ist einer zu viel.

    Man sollte nur bedenken: Wer jetzt Waffen oder Killerspiele verbieten will, müsste zunächst einmal die Hundehaltung in Deutschland untersagen. Auch Hunde führen jedes Jahr mehrere tödlich endende Angriffe auf Menschen durch. Trotzdem wäre ein Hundeverbot m.M. nach reichlich übertrieben. Und das traut sich auch kein Politiker zu fordern. Man will schließlich wiedergewählt werden.

    Und was ist erst mit den Autounfällen?

  8. am Montag, 16. März 2009 um 19:47 Uhr8Ralf

    @Ingolf: Wobei die Hundehaltung noch ein Spezialthema ist. In Deutschland darf sich jeder noch so Unerfahrene einen Hund gleich welcher Größe zulegen. Im Gegensatz zum Autofahren oder Waffekaufen benötigt man keinerlei Nachweis oder Prüfung, dass man Bescheid weiß, dass man den Hund halten kann etc. Und was noch schlimmer ist, es besteht keine Haftpflicht-Versicherung-Pflicht. Wenn etwas passiert, muss sich der Geschädigte an den Privatmann halten. Hat der nichts, gibt es auch nichts! Deshalb plädiere ich hier für den “Hundeführerschein” und für die Pflichtversicherung.

  9. am Dienstag, 17. März 2009 um 1:09 Uhr9Ingolf

    @Ralf

    Das sehe ich genauso. Das ist aber ein sehr kritisches Thema. Wenn Du in Deutschland was gegen Hunde schreibst, kriegst Du wesentlich mehr Ärger als wenn es gegen Kinder geht. Die Hundelobby versteht überhaupt keinen Spaß. Ich habe da so meine Erfahrungen.

  10. am Dienstag, 17. März 2009 um 9:09 Uhr10Ralf

    @ Ingolf: Ich denke, wir können noch ne Menge darüber schreiben, aber das ist hier OT …

  11. am Dienstag, 17. März 2009 um 15:33 Uhr11Maschinenblogger

    Eigentlich ist die ganze Diskussion unnütz – egal wie gut eine Gesellschaft aufgestellt ist, es wird immer einen Anteil geben der entweder kriminell wird, oder Amok läuft.

    Eigentlich ist jedes ausrasten und Geschirr durch die Gegend werfen im häuslichen Umfeld auch eine Art von Amoklauf weil Mann/Frau kurzfristig mit der Situation nicht umgehen kann. Tote und Verletzte nicht ausgeschlossen

    Viel schlimmer ist das Amoklaufen mit Forderungen und Verboten aller die sich irgendwie beteiligt oder berufen fühlen auch etwas zum Thema zu sagen.

  12. am Samstag, 21. März 2009 um 10:57 Uhr12yablacky

    Nicht nur Killerspiele verbieten!

    Die Ächtung sollte nicht nur Killerspiele betreffen, sondern sämtliche Computerspiele, die sich einer Simulation von im echten Leben vorkommenden Situation oder Szenarien bedienen, bei denen Zerstörung, Gewalt oder unangemessene Risikobereitschaft eine Rolle spielt.

    Das Problem ist nämlich nicht das Schießen, sondern die realistische Visualisierung und Vertonung, die bewirkt, daß nach einiger Zeit die Unterschiede zwischen Simulation und Wirklichkeit verschwimmen. Je nach Charakter und Veranlagung mehr oder weniger bzw. früher oder später. Deswegen sollte es auch keine Spiele mit realistischen Autorennen und dgl. geben. Auch keine Spiele, bei denen man lebensgefährliche Aufgaben, realitätsnah simuliert, bewerkstelligen muß.

    Alle diese Simulationen, und seien sie noch so realistisch, haben nämlich einen entscheidenden Fehler: Die Simulation hört an dem Punkt auf, wo der Spieler eigene Schäden an Leib oder Seele erleiden würde. Aber er stirbt nicht, er verletzt sich sich einmal. Alles was passiert ist, daß die vorhandenen Leben heruntergezählt werden und man bei Null die Simulation neu starten muß.

    Dieser Fehler in den ansonsten unheimlich realistischen Simulationen führt früher oder später dazu, daß der Spieler – womöglich vollkommen unbewußt – auch in der Wirklichkeit mehr Risiko eingeht in Situationen, die er zuvor “gespielt” hat. Würde er sich dabei lediglich selber in Gefahr bringen und sein – in der Wirklichkeit – einziges Leben verlieren, läge darin kaum ein gesellschaftliches Problem. Leider handelt es sich aber fast immer um Situationen, bei denen er nicht allein ist sondern andere wirkliche Menschen oder Sachen in – gelinde gesagt – Mitleidenschaft bringt. Und das ist nicht ok.

    Allerdings glaube ich nicht, daß ein schlichtes Verbot die entscheidenden Veränderung bewirken würde, nämlich, daß solche Spiele nicht gespielt werden. Womöglich würden sie dadurch nur noch interessanter, wie alles, was Verboten ist. Meiner Ansicht nach muß das Übel an der Wurzel gepackt und die Existenz solcher Spiele verhindert werden, deren Neu- und Weiterentwicklung. In der heutigen Zeit ist das nur mit Methoden zu erreichen, welche die Wirtschaftlichkeit der Spieleentwicklung und den anschließenden Vertrieb so stark beeinträchtigt, daß sich beides nicht mehr rentiert.

    Guten Tag noch,
    yab

  13. am Samstag, 21. März 2009 um 11:37 Uhr13Stefan

    Vielen Dank für deine ausführliche Stellungnahme, ist ja fast schon ein eigener Gast-Artikel!

    Auch wenn ich deine Ansichten nicht vollumfänglich teile. Könnte man nämlich auch dahingehend extrapolieren, dass die aktuelle Finanzkrise unter anderem auf exzessives Monopoly-Spielen in der Kindheit zurückzuführen ist.

  14. am Montag, 30. März 2009 um 22:10 Uhr14wischo

    Das besagte Killerspiel der US Army nennt sich “Americas Army”, hab ich übrigens selber Jahre lang gespielt und bin dennoch nicht an der Grenze Leute umbringen zu können.

    Jedoch muss ich dazu sagen, dass wissenschaftlich bewiesen ist, dass Killerspiele oder Horrerfilme das Empfinden von Situationen wie Tod oder Qualen abstumpfen. Ist ja eigentlich auch ganz logisch! Je mehr brutale Gewalt ich mir reinziehe, desto weniger erregt es mich in einer bestimmten Art und Weise.

    Ich bin der Meinung, dass ein Verbot von Killerspielen nur zu einer Mystifizierung dieser führt. Gamer werden zum Verbrecher und der Rechtsstaat hat noch mehr Arbeit und kann sich weniger um Vergewaltiger und Mörder kümmern!

    Ich bin für ein Ü18 FSK für Killerspiele und für eine Sensibilisierung des Elternhauses. Eltern sollten aufgeklärt werden über das was ihre Kinder den ganzen Tag treiben. Die meisten Eltern interessiert es nunma nicht was der 13jährige pubertierende Zögling da gerade zockt, hauptsache er räumt sein Zimmer noch auf!

  15. am Mittwoch, 01. April 2009 um 12:58 Uhr15Rivanna

    Nun ja so schrecklich wie diese Sache ist,
    Auch der Täter ist ein Opfer, ein Opfer dem keiner wirklich Aufmerksamkeit schenkte. Kerzen für die Opfer für alle.
    Ich bin selbst Mutter, und das wichtigste ist immer wieder das Gesräch mit seinen Kindern zu suchen, zuhören, auch die Worte hören die nicht ausgesprochen werden.

    Ich zock auch immer mal CS oder DOt oder was weiß ich. Hab auch schon tausende von Moorhühnern um die Ecke gebracht. So ein Käse desshalb läuft doch keiner Amok, nur auf Grund von Spielen.

  16. am Donnerstag, 02. April 2009 um 21:00 Uhr16yablacky

    exzessives Monopoly-Spielen in der Kindheit
    hat sicher nicht die Finanzkrise ausgelöst. Aber der Ansatz ist schon richtig: Jemand, der mit einem simulierten Vermögen in einem simulierten Wirtschaftsraum vermeintlich erfolgreich mit Wertpapieren “spielt”, könnte auf die Idee kommen, im richtigen Leben als “Finanzberater” tätig zu werden und echtes Vermögen aufs “spiel” (haha!) zu setzen.

    Aber zurück zu den Killerspielen:
    Ich hör hier immer “Spiel” (und verwende das Wort selbst – Asche auf mein Haupt). Das Wort ist über die Maßen verharmlosend: Bei visuell und akustisch gnadenlos guten Simulationen von echten Begebenheiten kann man im Zusammenhang mit Töten nicht von “Spiel” sprechen. Ganz egal, ob es Leute gibt, die danach Amok laufen. Richtig wäre, diese Programme z.B. “paramilitärische Übungen” zu nennen.

    Es gilt nicht, von sich selbst zu sagen, tausende Mohrhühner um die Ecke gebracht, ohne danach ein echtes erlegt zu haben. Tausende reichen vielleicht nicht. Leute die danach echten Mohrhühnern an den Kragen wollen, spielen weit intensiver und nur das und vergessen alles um sie um. Davon abgesehen: Ein Gemetzel unter Mohrhühnern wäre keine gesellschaftliche Tragödie. Ich bin sicher, daß die Entwickler genau aus diesem Grund Mohrhühner und nicht menschliche Babies genommen haben.

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