Twitter gefährdet Bundestagswahl

Politiker von CDU und SPD – also Menschen, die sich mit dem Internet besonders gut auskennen – fürchten, dass Twitter die Bundestagswahl anfechtbar macht, die Wahl also unter Umständen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag wiederholt werden muss.

Ursache sind die sogenannten Exit-Polls: Wähler werden nach Verlassen der Wahllokale befragt, was sie denn so gewählt haben. Diese Umfragen sagen den Wahlausgang relativ zuverlässig voraus und die Ergebnisse dieser Exit-Polls werden den Politikern frühzeitig gesteckt, dürfen aber eigentlich nicht vor Schließung der Wahllokale um 18:00 Uhr bekannt gegeben werden.

Eigentlich! Denn jetzt gibts ja Twitter.

Und irgendein Geheimnisträger wird das Ergebnis der Exit-Polls schon frühzeitig heraustwittern. Bumms, ist die Bundestagswahl anfechtbar und muss wiederholt werden, sobald sie jemand anfechtet.

Ich sehe da eigentlich nur zwei Alternativen: Entweder die Exit-Polls verbieten oder auf die Bundestagswahl verzichten.

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14 Gedanken zu „Twitter gefährdet Bundestagswahl

  1. AnguloJuan

    Habe gerade auch schon bei SPON davon gelesen. Aber naja: die Möglichkeit, Ergebnisse vorzeitig zu veröffentlichen war doch die letzten Jahre genauso da. Alleine RTL hat die letzten Jahre regelmäßig die Prognosen 5-10 Minuten vorher gesendet. Andere Sender sind teilweise nachgezogen. Bin mir nicht bewusst, dass das wirklich viele gekümmert hat, geschweige denn eine Wahl wiederholt werden musste…

  2. Matthi

    Ich finde die Behauptung, dass Twitter die Bundestagswahl ungültig macht, doch etwas zu früh. Zensursula hatte soeben das Stoppschild bei “Kinder”-seiten eingeführt. Aber jetzt schon den ersten Internetdienst zu sperren, kommt doch etwas zu zielgerichtet daher…

  3. Michael

    Dahinter steht sehr reales Phänomen: faszinierend, wie viele Menschen glauben, Geheimnisverrat sei in Ordnung, solange man es ja “nur” auf Twitter tue. Aluhutträger können hier aber noch herrlich weiter verschwörungstheoretisieren: was ist, wenn einem der betreffenden Politiker das Wahlergebnis nicht passt?

    Aber mal im Ernst: die einfachste Lösung ist, dass die relevanten Meinungsforschungsunternehmen die gewonnenen Informationen schlicht bis 18:00 Uhr für sich behalten. Problem gelöst.

  4. Klaus

    Ahhh, die Medien über die sowas möglich ist, gibt es bereits seit 100 Jahren. Twitter ist nur ein anderer Kanal. Wenn man Twitter verbietet, dann finden SMS oder Telefonate ihren Weg zum Empfänger…

  5. Baynado

    Sie haben gesehen welche Massen im Iran über Twitter mobilisert werden können. Sie haben Angst, dass das deutsche Volk die wahren Ergebnisse der Wahl erfährt.

    Was soll daran schlimm sein Nichtwähler kurz vor knapp mobilisieren zu wollen. Würden diese Ergbnisse permanent veröffentlicht auch während der Öffnungszeiten, würde das auf keine Fall der Demokratie schaden.

  6. Patrick Saar

    Also ich war ja dieses Jahr auch Wahlhelfer und ich bin per Gesetz dazu verpflichtet, das Wahlgeheimnis zu wahren. D.h. es findet keine Vereidigung per Handschlag mehr statt, sondern man ist immer Kraft Gesetz dazu verpflichtet, auch ohne vorherige Erklärung. Das Gesetz sollte für “Wahlforscher” angewandt werden, damit zumindest bis 18:00 Uhr nichts nach außen dringt. Wer dagegen verstößt sollte je nach Anzahl der Empfänger bestraft werden. Dann machst nämlich einen unterschied, ob ich das jemandem per Telefon verraten (1 Empfänger) oder ob ich es Twittere (Hunderte Empfänger) oder ob ich es im Fernsehen berichte bzw. auf meiner Homepage veröffentliche (Abertausende Empfänger).

    Kupfere ich beim Falschparken ab und nehme 15 EUR pro Verstoß wird dem ganz schnell ein Riegel vorgeschoben.

  7. Jens

    Demnächst wird dann einfach per Twitter gewählt – fertig ;)

    Kann es sein, dass dein Feed nicht funktioniert? Bei mir läuft der nicht…

    Gruß,
    Jens

  8. Stefan

    Ja, ich hab mal wieder mit meinem Feed gespielt. Ich versteh das System aber nicht. Mein Feedburner-Feed lautet feeds.feedburner.com/alterfalter – den kennt aber weder Google noch mein WordPress-Blog, deshalb hab ich ihn jetzt oben rechts manulell verlinkt. Es bleibt schwierig.

  9. Jens

    Dann hab ich den neuen Feed mal genommen… Schöne Grüße von “Hannes – dem Schaaf” der bei mir noch nach einem neuen Blog sucht…

  10. Thorsten

    Ich halte die ganze Diskussion für völlig überzogen. Wir sollten doch nicht vergessen, dass die Wahlen nicht nur frei sondern auch geheim sind. Umfrageergebnisse, erzielt duch eine Befragung nach Stimmabgabe, sind doch wenig verarbeitbar um Prognosen zu erstellen. Viele werden sich nicht zu ihrer Wahl äußern wollen, die die es tun könnten die Unwahrheit sagen – seriöse Ergebnisse zu bekommen dürfte also fast unmöglich sein, der Versuch so auf eine Wahl einzuwirken, m. E. lächerlich.

    Ein anderer Aspekt ist die Möglichkeit der Wähleraktivierung über Twitter. Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass bei strahlendem, Sonnenschein (denn die scheint immer wenn DIE LINKE starke Stimmenzuwächse erreicht :-)) wahlentscheidend viele Menschen an ihren Rechnern sitzen um durch Twitter aktiviert die Partei (die nicht ihrer Wahl entspricht) zu wählen.

    Auffallend ist, dass nicht nur Union sondern auch SPD sich insgeheim auf eine schwere Schlappe vorbereiten, da muss man schon jetzt genug Kartoffeln im Feuer haben…

  11. Stefan

    Also so ungenau sind die Exit-Polls nun auch wieder nicht. Die 18-Uhr-Prognosen von ARD und ZDF beruhen darauf – und die sind meistens recht nah dran am amtlichen Endergebnis.

    Was der SPD das Genick bricht, ist ihre Mehrwertsteuer-Lüge vom letzten Mal. Und jedes noch so absurde Steuerversprechen der CDU erinnert die SPD-Wähler wieder schmerzhaft daran. Das CDU-Steuergeschwafel scheint mir deshalb eine gewiefte Wahltaktik zu sein.

  12. Annika

    Denke, dass ein Verbot von Twitter nichts bringt. Man müsste schon die Polls verbieten. Eine Wahl per Twitter? Naja dann dürften nur die authentifizierten Wählerstimmen zählen.

  13. Christoph

    Dieser ganze Twitter-Hype nervt eh langsam und lässt hoffentlich bald nach – es mag ja sinnvolle Möglichkeiten geben, Twitter einzusetzen – aber eben auch solche Möglichkeiten.

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