Arcor sperrt youporn.com

Die spinnen, die Arcors! Arcor, mein bisheriger DSL-Anbieter, verwehrt seinen Kunden seit kurzem den Zugriff auf pornografische Seiten wie youporn.com (heise online berichtet). Grund ist offenbar die Beschwerde eines deutschen Porno-Anbieters, der auf diese Weise unliebsame Konkurrenz ausschalten läßt. Fadenscheinige Begründung: Weil ausländische Seiten ohne die in Deutschland erforderliche Altersverifikation arbeiten. Ja nee, is klar!


Damit dürften Kündigungsfristen und Mindestvertragslaufzeiten für Arcor-Kunden wohl hinfällig sein, da Arcor die versprochene Leistung – freier Zugang zum Internet – nicht bietet.

Von der weltfremden Internet-Rechtsprechung in Deutschland einmal abgesehen, hätte Arcor da noch einiges zu tun. Ein Kalauer aus den Kommentaren vom law blog zum Thema bringt es auf den Punkt: “Das ganze Internet auf 895 DVDs! Auf Wunsch auch ohne Pornografie auf 2 CDs…”

Auch wenn es unwissende Eltern, Richter, Anwälte und Politiker schockieren mag: Internet ohne frei zugängliche Pornografie gibt es nicht. Konsequent wäre es also, Jugendlichen den Internetzugang komplett zu verbieten. Aber unwissende deutsche Politiker werden die Nutzung des Internets demnächst eh für illegal erklären, wie ich schon in einem früheren Artikel zum neuen Urheberrechtsgesetz ausgeführt habe: Klappe zu, Esel tot – Internet-Nutzung in Deutschland ab Herbst 2007 illegal

Tschö, Arcor!

12 Gedanken zu „Arcor sperrt youporn.com“

  1. Ich habe Arcor eine Störungsmeldung geschickt: Ich würde drei Seiten nicht angezeigt kriegen.

    Außerdem gehts ja nicht um Pornografie an und für sich (also Masturbation), sondern ums Prinzip.

  2. Johnny: Gut, dass du mich daran erinnerst. Update ist eingefügt.

    Cyberfighter: JAP habe ich ausprobiert – danke für den Tipp! Etwas zähflüssig – und als ich auf MTV.com ein Video anschauen wollte, dessen Ausstrahlung außerhalb der USA nicht gewollt ist, wollte JAP gleich Geld von mir. Nicht so schön.

    space0: Auch deinen Tipp habe ich ausprobiert. Danke für den Link! Auch recht zähflüssig das Programm, liegt wohl immer daran, welchen freien anonymen Proxy man gerade erwischt. Dafür darf man es – im Gegensatz zu JAP – im vollen Umfang 21 Tage testen, wenn ich das richtig mitgekriegt habe.

  3. Lösungsvorschlag für eine Altersverifikation

    Wenn man will ist eine Altersverifizierung sicher, ganz einfach, anonym und billig. Die angestrebte Altersverifizierung ist ja wohl etwas hausbacken. Wer will schon eine ältere Dame, hinter dem Schalter eines ehemaligen Staatsunternehmens um Erlaubnis fragen, bevor er (oder Sie) sich einen Sexfilm runterläd? Und dabei sehen auch noch andere Kunden zu, nee dann lieber Sex Shop.

    Es gibt jede menge Sexkontaktmagazine (z.B. „Happy Weekend“), die ebenso, wie YouPorn.com als Jugendgefährdend gelten. Diese werden in aller Regel nur in Sex-Shops oder unter der Ladentheke verkauft. Dieser Verkauf unterliegt also einer Altersverifikation. Man kann also davon ausgehen, daß wer solche Magazine besitzt, auch das dazu notwendige Alter erreicht hat, das sollte als Altersverifikation ausreichen.

    Möglichkeit 1 : Man nimmt etwas aus einem aktuellen Pornoheft als Codewort (z.B. auf S. 20 den jeweils ersten Buchstaben, der ersten 10 Zeilen).

    Möglichkeit 2 : Freunde von YouPorn.com schalten eine entsprechende Anzeige (z.B. Passwort für youporn.com im Dezember 2007 : „geileFilme2010“. Spende zur Finanzierung dieser Anzeige an Chiffre ….).

    Wir reden nicht darüber, ob das das für Deutsche Pornoanbieter als Verifizierung reicht, Wir reden aber darüber, ob Internet-Provider (von konkurrierenden Unternehmen) dazu gezwungen werden können Internetseiten zu sperren, also letzten Endes eine Zensur einzuführen und da sollten doch erheblich höhere Hürden existieren.

    Und wenn schon eine riesige Liste Internetseiten „abgeschaltet“ werden, dann sollen die Internet-Provider wenigstens einen Hinweis darauf liefern. Derzeit werden die Inhalte der gesperrten Seiten gefälscht (man stelle sich das bei Politischer Diskussion vor).

  4. Hübsche Ideen, Rudi. Aber die Passwörter würden sich in Windeseile im Internet verbreiten.

    Schön ist aber doch, dass man jetzt jede Internetseite sperren lassen kann, weil sie irgendwelchen Vorschriften nicht genügt (fehlendes oder falsches Impressum, Verstoß gegen den Jugendschutz und, und, und…).

    Ach, Anwalt müsste man sein!

  5. Moin Stefan,

    da gibt es zu JAP (hat fast selbst zugegeben ein Hintertuerchen, kann man aber entfernen da „OpenSource“) & Tor (sehr lahm und ich hatte mal beim Aufruf einer anderen .com-Domain das Problemchen, dass diese ploetzlich auf einen Domainparker zeigte, war letztendlich eine manipulierte Tor-Node von einem sehr dreisten Domain-Hai) noch die Alternative I2P(2.de), ist recht anonym aber weil es derzeit nur einen Exit-Proxy gibt, ist es fuer den taeglichen Gebrauch ungeeignet.

    Und eine Exit-Node (Proxy) hier in Deutschland betreiben kannst du gleich mit den Strafverfolgungsbehoerden vergessen…

  6. Pornographie im Internet sollte generell nur mit strenger Altersverifikation erlaubt werden. Porno-Hoster, die meinen mit Alibi-Altersangabe-Menüs den Eindruck erweckt zu haben, sie seien dran interessiert, dass NUR Menschen ab 18 ihre Seite betreten, sollten gewaltige Strafgelder bekommen. Alle File-Hoster sollten weltweit per Gesetz dazu gezwungen werden, nur nach ausgiebiger Kontrolle Dateien mit Porn.-Inhalten freizugeben. Dass die Pornographie maßgeblich schuld am gesellschaftlichen Abwärts der Familienstrukturen und auch am veränderten Frauenbild als „Objekt des Mannes“ ist, dürfte einleuchten. Wenn schon 10-12-jährige anfangen mit Pornvideos auf handy ihren Testestoronspiegel auf 200 % zu katapultieren, verwundert es auch nicht, dass mittlerweile Vergewaltigungen bei Jugendlichen zur Normalität wird, und auch sonst viele Mädchen als Matratzen durch die Weltgeschichte wandern. Ich akzeptiere, dass es Menschen gibt, die sowas anschauen möchten, aber Kinder und Jugendliche MÜSSEN davor beschützt werden. Grüße Kama ala Sutra

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