Audio-CDs vor dem Verfall retten und auf Festplatte archivieren

Vor 25 Jahren, am 17. August 1982, lief die erste CD in Serienfertigung vom Band. Wer solche alten Schätze in seiner Plattensammlung hat – entweder damals selbst erworben oder später bei eBay ersteigert – sollte schon mal damit anfangen, Sicherheitskopien anzufertigen. Denn die Datenschicht der ersten Generation von Silberscheiben soll sich angeblich nach ungefähr 30 Jahren zersetzen.

Ich würde mich nicht wundern, wenn die aktuelle Generation von Audio-CDs wesentlich schneller hinüber ist, aber die darf man laut weltfremder deutscher Rechtsprechung ja nicht für den Eigenbedarf kopieren, wenn sie mit einem Kopierschutz versehen sind. Wer klug ist, boykottiert diesen Blödsinn der Musikindustrie und kauft keine Audio-CDs mit Kopierschutz. – Zurück zum Thema, bevor ich anfange, ausfallend zu werden und unkontrolliert Kraftausdrücke zu posten.

Exact Audio Copy – kostenlos für den Privatgebrauch

Das beste Programm, um Audio-CDs fehlerfrei auf Festplatte zu archivieren, ist meiner Meinung nach „Exact Audio Copy“ – kurz: EAC. Für Privatanwender ist das Programm kostenlos. EAC besitzt eine ausgezeichnete Fehlerkorrektur. Sollte ein Sektor mal so kaputt sein, dass EAC ihn auch durch wiederholtes Auslesen nicht geradebiegen kann, teilt euch das Programm im Anschluss mit, dass ein Fehler aufgetreten ist und an welcher Position er steckt. Andere Programme tun in solchen Fällen häufig so, als hätte es gar keine Fehler gegeben – und das böse Erwachen kommt dann häufig erst beim Anhören der Sicherheitskopie.

Nach dem Download und der Installation von EAC gehts los: Audio-CD einlegen und Exact Audio Copy starten. Es öffnet sich der EAC-Einstellungswizard, der im folgenden die Eigenschaften eurer CD- oder DVD-Laufwerke testet, je nachdem, wieviele CD- oder DVD-Laufwerke in eurem Rechner stecken. Die Frage des Programms, ob man genaue Ergebnisse oder Geschwindigkeit bevorzugt, beantwortet man selbstverständlich mit dem Markieren von „Ich bevorzuge genaue Ergebnisse“.

Audio puffern: Bloß nicht!

Der folgende Test dauert zwischen einer Minute und vier Minuten.

1.) Sollte bei „Accurate stream“ ein „Nein“ stehen, eignet sich das Laufwerk nicht für die Herstellung garantiert fehlerfreier Audio-CD-Kopien.

2.) Sollte bei „Audio puffern“ ein „Ja“ stehen, wird das von EAC in der Regel auch auch so eingestellt. Kontrollieren kann man das unter „EAC | Laufwerkseigenschaften“: „Laufwerk puffert Audiodaten“ ist angehakt. Damit wird verhindert, dass ein eventueller Lesefehler beim zweiten Leseversuch mit den Daten im Zwischenspeicher verglichen wird anstatt dass sich EAC die Daten nochmal neu von der CD holt.

Sollte das Laufwerk Audiodateien nicht puffern bzw. zwischenspeichern können, sollte diese Option auch nicht angehakt werden, da sie den Lesevorgang unnötigerweise verlangsamen würde.

3.) Ob C2 korrekt implementiert ist oder nicht, kann in einem separaten Test überprüft werden. Dazu benötigt man allerdings eine Audio-CD mit C2-Fehlern. Im Zweifelsfall diese Option also lieber abschalten.

Exact Audio Copy

Im Fenster „Komprimiererauswahl“ solltet ihr den letzten Punkt markieren, wenn ihr eure Audio-CDs als unkomprimierte WAV-Dateien archivieren wollt: „nicht im Moment, ich werde es später selber konfigurieren“.

Paranoiker-freundlich

Im nächsten Fenster, „freedb Konfiguration“, solltet ihr eine stimmige E-Mail-Adresse eintragen, ansonsten kann übers Internet keine Verbindung zum Musikdatenserver freedb aufgebaut werden, von dem sich EAC Informationen über die eingelegte Audio-CD holt: Interpret, Albumtitel, Erscheinungsjahr, Titel und so. Stimmige E-Mail-Adresse heißt: es muß nicht die eigene sein. Für Leute mit Internet-Paranoia vielleicht ganz gut zu wissen.

Der nächste Schritt im Einstellungswizard ist die „Dateinamenkonfiguration“, die nicht nur bestimmt, wie die ausgelesenen Dateien später heißen werden, sondern auch, ob sie pro CD in einem separaten Ordner abgelegt werden und wie der dann heißen soll. Wer sich auskennt, sucht sich hier was Schönes aus, ansonsten lasst ihr eingestellt „Belasse das aktuelle Namensschema“ und wir konfigurieren das später.

Zum Abschluss des Konfigurationsassistenten dürft ihr entscheiden, ob ihr im Anfänger- oder Expertenmodus arbeiten wollt.

Dateinamen-Konfiguration

Okay, jetzt gehts nochmal zur Dateinamen-Konfiguration unter den Menüpunkten „EAC | EAC-Einstellungen“, Registerkarte „Dateinamen“. In das Feld „Namensschema“ tragt ihr anhand der unten drunten erklärten Kürzel euer Lieblingsnamenschema ein.

Ich benutze hier %D %Y – %C\%N. %T

Achtet auf den Backslash hinter dem %C. Alle Zeichen bis dahin bestimmen den Ordnernamen, die Zeichen nach dem Backslash bestimmen den Dateinamen.

In meinem Fall würde beim Archivieren der eingelegten Audio-CD der Ordner benannt nach „Interpret Erscheinungsjahr – Albumtitel“ oder konkret „Sting 1985 – The Dream Of The Blue Turtles“.

Die Zeichen nach dem Backslash bestimmen den jeweiligen Dateinamen in der Ausprägung „Track-Nummer. Track-Titel“, im konkreten Beispiel „01. If You Love Somebody Set Them Free.wav“ bis „10. Fortress Around Your Heart.wav“.

Los gehts!

So, Namensschema ist klar. Dann kann das Archivieren eurer Audio-CDs auf Festplatte endlich beginnen. Dazu braucht man übrigens nicht notwendigerweise mit dem Internet verbunden zu sein, aber ohne Internetverbindung ist es natürlich auch Essig mit der automatischen Benennung von Ordner- und Dateinamen und man muss hinterher nochmal alles zu Fuß machen.

Audio-CD ist eingelegt:

Exact Audio Copy

Mit Klick auf das CD-Symbol holt sich EAC die CD-Informationen von freedb, sofern die CD nur einmal in der Datenbank gefunden wird, ansonsten wählt man einen Eintrag aus:

Exact Audio Copy

Exact Audio Copy

Zum Archivieren auf das WAV-Symbol oben links drücken und einen Ordner auf der Festplatte aussuchen. Unterordner und Dateinamen sind ja schon im EAC-Namensschema hinterlegt, deshalb erhaltet ihr hier den Hinweis „Dateiname wird ignoriert.wav“.

Exact Audio Copy

Viel Spass beim Archivieren! Bei Fragen oder Problemen einfach Bescheid sagen.

Update!

Der Abschnitt „Audio puffern: Bloß nicht!“ wurde korrigiert.

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