Billigeres Benzin durch gezielten Tankstellen-Boykott

Zur Zeit grassiert eine Ketten-E-Mail, in der zum Boykott diverser Marken-Tankstellen aufgerufen wird, um einen billigeren Benzinpreis zu erzwingen. Diese E-Mails werden vielfach als Hoax oder Spam abgetan, da je nach Version zwei verschiedene Marken-Tankstellen als Ziele des Boykotts genannt werden. Der Boykott selber wird großteils als unwirksames Mittel abqualifiziert.

Ich seh das ein bisschen anders.

Ich halte die Boykott-E-Mails zum einen nicht für automatisierten E-Mail-Spam, da mich noch kein Exemplar davon erreicht hat – verwunderlich bei rund 300 gewöhnlichen Spam-Mails pro Tag. Die Boykott-E-Mail scheint mir also tatsächlich händisch weiterverbreitet zu werden. Ein typischer Fall von Ketten-Mail halt.

Außerdem denke ich, dass sich durch einen Boykott von Marken-Tankstellen tatsächlich ein billigerer Benzin-Preis erzwingen lässt. Die Mineralöl-Industrie, die hinter der Handvoll Marken-Tankstellen steckt, ist es schließlich, denen kein Anlass zu blöd ist, steigende Benzin-Preise zu begründen: „Der Dollar steigt?“, „Der Dollar fällt?“, „Die Öl-Lager sind voll?“, „Die Öl-Lager sind leer?“, „In China fällt ein Sack Reis um?“, „In China bleibt ein Sack Reis stehen?“ – „Tut uns leid, aber das zwingt uns dazu, die Benzin-Preise zu erhöhen.“

Mag sein, dass der derzeit überzogene Benzin-Preis in erster Linie von raffgierigen Börsen-Spekulanten verursacht wird – aber diese intelligenzbefreiten Spielkinder bedienen sich ja auch bloß der Schwachsinns-Argumente der Mineralöl-Industrie: „Ogottogott – demnächst wird der letzte Tropfen Mineralöl gefördert sein. Das Ende des motorisierten Individualverkehrs ist nahe!“. Der Dummfug erinnert stark an die Pferdemist-Prognose aus der Mitte des 19. jahrhunderts, nach der die Straßen New Yorks spätestens 1910 vor lauter Pferdeäpfeln unpassierbar sein würden.

Dass die Auto-Industrie mit der Mineralöl-Industrie unter einer Decke steckt, und sei es nur in Form von Aktienbesitz und sprudelnden Dividenden, ist klar: Staatliche Forschungsgelder zur Erkundung alternativer Energien werden zwar gerne und reichlich eingesackt, die Entwicklung von Energiespar-Autos aber nicht wirklich vorangetrieben.

Nächstes Jahr wird die Auto-Industrie, in Krokodils-Tränen getränkt, den Abbau tausender Arbeitsplätze bejammern, weil kaum noch jemand Autos kauft. Das hat von den millionenschweren Managern natürlich keiner vorhergesehen. Aber das ist ein anderes Thema.

Kurz und gut: Ich halte das Tanken an freien Tankstellen und den Boykott von Marken-Tankstellen für das beste Mittel, den steigenden Benzin-Preisen Einhalt zu gebieten.

Nachschlag vom 29.05.2008

In einem Gespräch mit der BILD erzählt der deutsche ARAL-Chef, dass sich die Ölvorkommen zwischen 1980 und 2006 fast verdoppelt haben und dass für dieses Jahrhundert ausreichend Öl vorhanden ist.

Nachschlag vom 03.06.2008

Der SPIEGEL läßt sich vor den Karren der Mineralöl-Industrie spannen und verkündet das Ende des Ölzeitalters – nach Meinung des französischen Erdölmultis TOTAL. Total daneben.

26 Gedanken zu „Billigeres Benzin durch gezielten Tankstellen-Boykott“

  1. wie gut oder wie schlecht die idee auch sein mag (und vom hoax-gedanken mal abgesehen), der gemeine bundesbürger ist in der hinsicht doch träge. diese mails gibt es wie gesagt schon länger und bisher hat sich doch kaum was getan. getankt wird — trotz allen gejammers — nun wirklich reichlich. das meiste geht doch eh an steuern drauf, wobei wir wohl bald ein 50:50-verhältnis haben werden.

    und meine frage als kfz-/krad-freier mensch: von wem bekommen denn nun die freien tankstellen ihren sprit? ich dachte, wir haben nur eine handvoll lieferanten, und die sind auch noch organisiert.

    also ob die lösung tatsächlich so simpel ist, mag ich bezweifeln, auch wenn es heisst, die einfachste lösung sei mitunter die beste.

  2. Klar, ich habe bis vor kurzem aus Bequemlichkeit ab und zu auch noch an Marken-Tankstellen getankt. Aber bei 1,5 Euro pro Liter ist bei mir Schluss diesbezüglich. Ob ich meine alte Möhre nächstes Jahr nochmal über den TÜV bringe oder doch lieber mit dem Taxi fahre, habe ich auch noch nicht entschieden – die meisten Strecken lege ich eh per Bus oder Bahn zurück. Einen Neuwagen, wie letztes Jahr noch geplant, werde ich mir aber definitiv nicht mehr anschaffen.

    Ich denke auch, dass die freien Tankstellen ihren Sprit von den Lieferanten bzw. Besitzern der Marken-Tankstellen beziehen. Aber Preistreiber sind definitiv die Marken-Tankstellen, nicht die freien. Und wenn der Absatz der Marken-Tankstellen zurückgeht, wird der Benzin-Preis folgen.

    Aufgrund der mittlerweile exorbitanten Benzin-Preise traue ich der Ketten-Mail diesmal zu, in größerem Maßstab bewußtseinserweiternde Wirkungen zu entfalten.

  3. Meines Erachtens bringt der Boykott bestimmter marken nicht viel. Einerseits müsste da schon eine gewaltige Menge an Bundesbürgern öffentlichkeitswirksam mitmachen. Andererseits trifft es doch vor allem die Pächter, die dann über ihr eigentliches Einnahmefeld Einzelhandel nichts mehr verdienen.

    Da ist das gute alte Sparen doch wirkungsvoller. Einfach mal etwas langsamer fahren, und schon verkaufen die Ölmultis je Tankfüllung 5-6 Liter weniger. Das tut dann auf die Masse hochgerechnet wirklich weh.

  4. Ein solcher Boykott bringt überhaupt nichts. Stellen wir uns – sehr optimistisch – mal vor, dass 30 Prozent der Autofahrer mitmachen. Der Umsatz bei der Kette S geht dann um 30 Prozent zurück. Also senkt die Kette S den Preis pro Liter um 1-2 Cent. Die restlichen 70 Prozent fahren dann wie die Bekloppten genau zu dieser Kette und tanken dort. Das Gedränge an dieser Tanke wird dann immer gröߟer und binnen kürzester Zeit erhöht die Kette den Preis dann wieder.

  5. Heute hat mich eine Boykott-Mail erreicht, die mich anders als andere, sehr überzeugt hat. Man sollte sich einfach mal die Zeit nehmen und die Seite http://www.infopointer.de mal in Ruhe lesen. Ich glaube, dann sind auch viele Skeptiker von dieser Aktion überzeugt.

  6. Alle labern nur, keiner macht was. Anstatt mitzumachen wird philosophiert. So wird das nie was.

    Ihr müsst mal etwas weiter denken… Was passiert denn, wenn z.B. Aral (größte aller Ketten mit ca. 2.400 Tankstellen, alleinzugehörig zu BP) boykottiert wird??? Entweder geht der Preis runter oder die Kette Aral wird verkauft. Welcher Ölkonzern kann sich jedoch die größte Kette kaufen??? Eine Kette die größer ist als die eigene? Shell wäre der nächst größte (mit 2.000 Tankstellen). Wenn also Shell die Aral aufkauft, wird Shell boykottiert (nun ca. 4.400 Tankstellen in DE). Neues Szenario… Entweder geht der Preis runter oder die Kette wird verkauft. Wer kommt nun als Käufer in Frage??? Die nächst größte Kette ist Esso (zu der auch die Billig-Kette bft gehört) mit 1.100 Tankstellen. Wie soll sich Esso 400 % des eigenen Tankstellen-Volumens leisten können??? Es ist also sehr wahrscheinlich, das also der Preis runter geht, spätestens wenn die 2. Kette boykottiert wird. Denn danach gibt es keinen Verkauf der Kette mehr.

  7. Das Thema beobachte ich schon seit längerer Zeit: Die bösen, bösen Ölkonzerne… Das kann man so wirklich nicht stehenlassen.
    Unsere Parteien, Regierungen und auch die Medien haben es doch tatsächlich geschafft, davon abzulenken, wer der wahre Abzocker bei den Benzinpreisen ist.
    Wenn man in Deutschland z.B. 1,50 Euro pro Liter an der Tankstelle bezahlt, dann gehen davon insgesamt SIEBZIG Prozent an den Fiskus, das sind unverschämte 1,05 Euro!!!

    Das Benzin verkaufen uns die Konzerne also in Wirklichkeit für (nur) 45 CENT pro Liter. Davon werden die Ölscheichs bezahlt, die Raffinerien, der Transport und die Tankstellen.

    Ich bin nun wirklich kein Freund der Ölkonzerne, aber man muss schon so fair sein, dass man die wirklichen Abzocker beim Sprit benennt:
    ES SIND DIE VON UNS ALLE VIER JAHRE GEWÄHLTEN DEUTSCHEN REGIERUNGEN, DIE UNS AUTOFAHRER ABZOCKEN!!!

    Super-Benzin kostet an der Tankstelle pro Liter:
    in Saudi-Arabien 11 Cent
    in Ägypten 23 Cent
    in Nigeria 35 Cent
    in Kasachstan 50 Cent
    in USA 58 Cent
    in Russland 62 Cent
    in Australien 69 Cent
    in Cina 85 Cent
    usw usw.
    Dreiviertel der Weltbevölkerung fährt zwischen 30 und 80 Cent pro Liter!
    Seit Trittin rasen wir für die Rente. Eine verrückte Konstruktion… Wenn wir alle auf die Bahn umsteigen, ist unsere Rente futsch!

  8. tja, nun sind wir wieder mal so weit, daß wir einmal mehr extra abgezockt werden. Dank Biosprit E10… Ich glaube auch, daß man mit einem gezielten Boykott etwas bewirken kann. Daß wir als kleine Leute etwas erreichen können zeigt doch, daß sie ihr E10 Gebräu nicht so gut absetzen können. Wenn man also direkt eine Tankstellenmarke boykottiert so werden die das schon spüren. Es gibt ja eh überall Tankstellen und nicht nur eine einzige im Ort. Und da die sich ja auch gar nicht mit den Preisen absprechen machts keinen Unterschied, ob man jetzt Sprit bei Anbieter A oder B tankt, der Preis bleibt doch der gleiche bzw. es gibt max. 1-2ct Unterschied. Es muß jetzt weiter gemacht werden und draufgehalten werden. Da darf man sich nicht (wieder einmal) von den Lügen der Politiker einlullen lassen!

  9. bitte macht es richtig. ignoriert nur zwei bekannte Marken….und das so lange bis die 20 cent pro liter billiger werden.
    tankt euren sprit wo ihr wollt, nur nicht bei diesen zwei marken….aber wenn die dann so billig sind, wie erwartet tankt nur bei denen… die anderen ziehen nach.
    Nun kommt und sagt mit welchen Marken fangen wir an.
    ich fresse einen besen wenn das nicht wirkt

  10. Klar wird das wirken, nur müßte das auch Verbreitung finden und es müßten alle mitmachen. Die größten dürften Aral und Shell sein und damit auch die wirkungsvollsten Ziele.

  11. Schon seit Monaten schreibe ich:,

    Was macht man gegen die überzogenen Spritpreise? Ich halte den gezielten Boykott für ein wirksames Mittel – man erinnere sich nur an die Story mit der Brent Spar im Jahr 1995.
    Nachdem die Verbraucher und sogar einige öffentliche Einrichtungen wochenlang nicht mehr bei Shell und Esso getankt haben, kamen die Konzerne zu der Erkenntnis, das man die Brent Spar doch besser verschrottet als einfach ins Meer zu versenken.
    Also haben die Ölmultis eine empfindliche Stelle – wir die Verbraucher sind es, die den Multis das Fürchten lehren können. Gemeinsam sind wir stark. Verbreitet die Message, bis Ende April nicht mehr bei ARAL und SHELL zu tanken. Es gibt andere………. ( Ausnahme: Preis fällt um 20 Cent unter die anderen Marken)
    Es wird kein Konzern mehrere Wochen zusehen, wie die Kunden nur noch beim Wettbewerb tanken. Wir müssen als Verbraucher unberechenbar werden. Bitte an alle weitergeben bis Ende April sind ARAL und SHELL tabu!!!!!!!!!
    ( Ausnahme: Preis fällt um 20 Cent unter die anderen Marken)

  12. Wie naiv ihr doch alle seid!
    Euch geht es bei dem Boykott schlicht um den Preis. Problem Nr.1 ist, solange es auf den Straßen aufgrund der Spritpreise nicht ruhiger wird, ändert sich nichts. Auch nicht, wenn eine Tankstellenkette boykottiert wird. Bestenfalls wird deren Farbe geändert. Aber gegen die Frühstückskartelle der Tankstellenketten ist das kein Mittel.
    Problem Nr.2 sind die markenspezifischen Kraftstoffe. Egal ob sie Ultimate oder V-Power heißen. Diese Sorten sind unverschämt teuer – dennoch werden sie gekauft und nur aus diesem Grund auch weiterhin angeboten. Daraus folgt, dass unsere Spritpreise immernoch auf einem Niveau sind, welches keinen ausreichenden Anteil der Bevölkerung stört.
    Regierung und Ölkonzerne wissen nun, dass auch 1,609 EUR pro Liter von den Kunden bezahlt werden, ohne das irgendwas beachtenswertes passiert.
    Fazit: Ist euch der Preis für die Kraftstoffe zu hoch, dann lasst das Fahrzeug stehen. Nichts anderes wird helfen. Seid Ihr Pendler oder habt eine andere Ausrede, warum Ihr auf das Fahrzeug angewiesen seid, dann passt euer Leben den neuen Umständen an. Bockig mit den Füßen auf die Erde stampfen wird niemanden weiterbringen. Und wer jetzt immernoch sagt „kann ich nicht“ braucht sich nicht über Abzocke zu wundern oder gar beschweren: Ihr wollt es offenbar nicht anders!

  13. Nanana, mal nich die Leute als naiv beschimpfen. Es geht nicht allen nur um den Preis sondern darum, daß einerseits Nahrungsmittel in den Tank fließen und andererseits der propagierte Umweltnutzen fragwürdig ist. Daß die Leute jeden Preis, seien es auch >2EUR/Liter, bezahlen mag sein, aber auch nur bis zu deren Belastungsgrenze. Ist halt bei einigen auch Jammern auf hohem Niveau. Einige, deren Job davon abhängt, können das eben auch nicht beliebig lange durchhalten weil sie eben mit einem geringen Einkommen leben oder gar übers Amt aufstocken müssen. Der Boykott bringt schon was, es zeigt sich zumindest mal, daß sich die Bürger doch nicht alles vorsetzen lassen. Ob es der richtige Weg ist kann man immer von zwei Seiten betrachten. Es bleibt zumindest zu hoffen, daß sich daraus eine sinnvolle Diskussion mit sinnvollen Lösungen ergibt. Aber wie so oft steht zu befürchten, daß am Ende doch die Konzerne gewinnen und die Politiker weiter in die eigene Tasche wirtschaften bzw. an den gutbezahlten Posten in der Wirtschaft nach Ihrer Politikerzeit denken. Das ganze System müßte mal umgekrempelt werden…

  14. Es ist nunmal naiv, zu glauben, man könne durch Tankstellenboykott den Preis drücken. Das ist schon allein aufgrund des Steueranteils nicht sehr realistisch. Und den bezahlt man an jeder Tankstelle.
    Die Geschichte mit den Nahrungsmitteln ist auch so eine Sache, aber ich behaupte, dass die meisten Kritiker dies nur vorschieben (nicht alle!). Nebenbei ist der Titel des Themas „Billigeres Benzin durch gezielten Tankstellen-Boykott“. Wäre der Sprit rein technisch unbedenklich und billiger als es FRÜHER Super 95 war, so würde er sicher besser verkauft werden(wieder das Thema Geld). Das bliebe noch zu beweisen, was, Stand der Dinge, leider unmöglich ist.

  15. Was hauen wir den auf die Ölkonzerne rum das große Geschäft macht doch unser Staat von dem Benzinpreis sollten wir mal die Steuern abziehen und nicht nur die Märchensteuer 19% die Ökosteuer , die haste nicht gesehen steuer, die Mobilitätssteuer und so weiter. Dann würde ein Spritpreis so um 50 cent herauskommen aber die Melkkuh der Nation muss immer höher gemolken werden da MAN DUMMERWEISE IMMER NOCH DIE Schmiergeldpolitiker wählen tut im schnitt mit 36% wenn die mal unter die 5% fallen würden ginge es Deutschland besser!

  16. Das Argument mit der Steuer ist nicht von der Hand zu weisen. Jedoch bei einen Verkaufspreis von 1€ wäre der Steueranteil auch 70%! Natürlich sind unsere Regierungsverantwortlichen nicht an niedrigen Preisen interessiert – sie verdienen ja feste mit! Kürzlich schien eine Diskussion ingang zu kommen, als das Kartellamt über nachweisliche Preisabsprachen berichtete. Ruckzuck war das Thema wieder verschwunden. Nur keinen Groll aufkommen lassen. Eine starke Gemeinschaft bekommt man in Deutschland nicht organisiert. Deshalb machen wir schön als Einzelkämpfer weiter. Übrigens – dieses Thema berührt mich nur am Rande – ich fahre seit 6 Jahren Gas.

  17. Na daß das Kartellamt da nix unternehmen wird war doch klar, oder? Die dürfen gar nix machen, sonst entgingen dem Staat ja die Steuereinnahmen… Und glaubst Du wirklich, daß Gas noch lange steuerlich so gut gestellt bleibt? Wenns da genug Fahrzeuge gibt bzw. die Benzinsteuern sinken dann schlagen die dort auch drauf. Läßt sich doch keiner die schon längst verplanten Einnahmen wegnehmen.

    Und wer sich noch nicht genug aufgeregt hat, der kann ja die dreisten Lügen hier lesen:
    http://www.mwv.de/index.php/pr...../meldungen

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