Das Internet ist kein Massenmedium!

Nachdem ich meine These jetzt schon seit Jahr und Tag als Kommentar in diversen Blogs hinterlasse, möchte ich sie heute mal ganz offiziell in meinem eigenen Blog vorstellen.

Und damit ein Patent darauf anmelden: (c) by alterfalter.de quasi – All Rights reserved:

Das Internet ist kein Massenmedium!

Massenmedien sind für mich Medien, die einen gesellschaftlichen Wissenshintergrund herstellen. Gesellschaftlicher Wissenshintergrund bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass eine Gesellschaft alles weiß, was von Massenmedien publiziert wird – aber dass sie es hätte wissen können!

  • Beispiel 1: Wer nicht weiß, dass Barack Obama gestern in Berlin war, hat weder Fernsehnachrichten gesehen noch ist er an einem Kiosk mit ausliegenden Tageszeitungen vorbeigelaufen.
  • Beispiel 2: Wer auf eine zugestaute Autobahn fährt, weil er den Verkehrsfunk nicht gehört hat, ist selbst schuld.

Fazit: Fernsehen, Radio und Tageszeitungen sind Massenmedien.

Die aktuell 10 meistbesuchten Internetseiten in Deutschland sind laut Alexa :

  1. Google
  2. YouTube
  3. Ebay
  4. Yahoo!
  5. Wikipedia
  6. Studieverzeichnis
  7. Gmx.net
  8. Web.de
  9. Amazon
  10. Schuelervz

Mit diesen Seiten ist natürlich kein Staat zu machen bzw. kein gesellschaftlicher Wissenshintergrund. Wer sich gestern nur auf diesen Seiten rumgetummelt hat, weiß vermutlich gar nichts von Barack Obamas Berlin-Rede .

Kein Beinbruch, aber ein Beleg für meine These:

Das Internet ist kein Massenmedium!

Das Internet ist meiner Meinung nach ein Individualmedium, aus dem sich jeder das herauspickt, was ihm gefällt: Pornografie und Katzencontent etwa.

Das Internet mag eine hohe gesellschaftliche Relevanz besitzen – das Herstellen eines gesellschaftlichen Wissenshintergrunds gehört aber nicht zu seinen Funktionen.

7 Gedanken zu „Das Internet ist kein Massenmedium!“

  1. Nicht zuletzt bedarf die Nutzung des Netzes im gegensatz zu den anderen genannten Medien ja einer gewissen Kompetenz. Klar – lesen können die meisten Bundesbürger…. aber wieviele hochintelligente Köpfe oder Zeitzeugen, die sogar Inhalte einbringen könnten (vgl. Medien 2.0) laufen da draussen rum, die nicht mal wissen, wie man einen PC einschaltet… geschweige denn ins Internet kommt.

    In diesem Sinne: d’accord!

  2. Würde auch aussagen, dass niemand mehr als diese Seiten besucht hat. Was natürlich Blödsinn ist. Hätte ich zur richtigen Zeit TV geschaut, wäre mir das auch entgangen. Ich denke, im Netz darüber zu stolpern ist fast einfacher, als im TV 😉

  3. Jetzt werd hier mal nicht unwissenschaftlich! 😉 Meine These basiert auf Niklas Luhmanns Systemtheorie, nach der gesellschaftliche Systeme jeweils eine ganz bestimmte Funktion erfüllen. Und Katzencontent und Pornografie krieg ich damit nicht unter einen Hut gebracht. 🙂

  4. Wow, Du kennst Luhmann und seine Systemtheorie? Das hätte ich Dir gar nicht zu getraut. 😉

    Wieviele Menschen sind zu faul zum lesen? Das ist eine riesige Menge!
    Das bekomme ich täglich mit.
    Ich z.B. bekomme meine Infos zum größten Teil aus dem Netz. Das TV ziehe ich mir kaum rein, allerhöchstens ein paar serien, die ich aufnehme.
    Es ist doch viel mehr so, dass die meisten Menschen mit unseren Medien überfordert sind und dem Information-Overload hilflos ausgeliefert sind.

  5. ich empfehle dir das einführungswerk „kommunikationswissenschaft“ von roland burkard (4. auflage) und den dort besprochenen massenmedienbegriff.

    übrigens bin ich über yahoo!s nachrichtenseite auf einiges, was barak obama betrifft, gestoßen – soviel zu deinem „beweis“ (wissenschaftlich gesehen sind beispiele nicht qualifiziert, einen beweis zu erbringen).

    abgesehen davon ist dein medienbegriff (der ja an luhmann angelehnt ist) zu technikzentriert. mag die begriffsdefinition vor jahrzehnten noch gepasst haben, ist sie heute überholt.

    wie gesagt, lies das buch, sehr zu empfehlen und regt zum nachdenken an 😉

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