Drei gute Gründe, Windows Vista zu hassen

„Windows Vista Home Premium“ war für mich einer der Gründe, mir im September 2007 das Aldi-Notebook Medion MD 96290 zu kaufen. Mit der Betonung auf „Premium“ – darunter hätte ich es nicht gemacht.

„Windows Vista Home Basic“ wäre für mich nicht in die Tüte gekommen, da dort das grafische Klimbim fehlt: Animierte Bildschirm-Hintergründe und offene Fenster, die in 3D-Ansicht Karussell fahren. Wobei ich als erfahrener Windows-User den grafischen Schnickschnack zwecks Verbesserung der Systemleistung natürlich grundsätzlich als erstes deaktiviere.

In den Kommentaren zu meinen Beiträgen über das Medion MD 96290 und auch in den Suchanfragen meiner Leser taucht regelmäßig der Wunsch auf, Windows Vista runterzuschmeißen und stattdessen Windows XP auf dem Aldi-Notebook zu installieren. Ich frage mich allerdings: Warum? Warum nicht mal was Neues ausprobieren?

Ich weiß tatsächlich keinen vernünftigen Grund, von XP auf Vista umzusteigen. Damals, ja, damals war die Welt noch in Ordnung. Da gab es handfeste Gründe, von Windows 98 auf Windows XP zu wechseln. Ich sag nur: Systemstabilität. Wer unter Windows 98 neben dem Brennen einer CD im Internet surfte, der verbrannte sich so manchen Rohling. Unter XP kein Problem mehr: Brennen, Surfen, Musik hören, Videos gucken, Downloaden, E-Mails abrufen – alles parallel, alles easy, echtes Multitasking.

Aber warum sollte das alles unter Microsofts neuem Betriebssystem nicht genauso gut oder sogar besser funktionieren? Also frisch ans Werk und ausprobiert: Alle von mir benötigten XP-Programme laufen bislang auch auf Vista, die Videobearbeitung geht teilweise sogar schneller vonstatten, wobei das natürlich auch am neuen Prozessor liegen könnte: Intel Dual-Core mit 1.86 GHz contra Pentium 4 mit 3 GHz.

Es gibt Dinge, die mir an Windows Vista nicht gefallen, was sich allerdings durch Gewöhnung und/oder Service-Packs vielleicht schon bald erledigt haben könnte. Meine ersten Schritte waren das Abschalten unnötiger Funktionen und die Anpassung von Windows Vista an das klassische Windows-Design. Übrig geblieben sind drei Vista-Spezialitäten, die mir tierisch auf den Sack gehen:

1.) Der Windows Explorer und das Vista-Dateisystem

Bislang war es für mich unter Windows selbstverständlich, mir alle geschützten Ordner und Dateien anzeigen zu lassen. Das habe ich mir unter Windows Vista abgewöhnt: Neben versteckten Systemordnern beinhaltet Vista auch so eine Art virtuelle Ordner, klassischerweise den Ordner „Programme“: Alle neuen Programme werden scheinbar in den Ordner „Programme“ installiert – tatsächlich installieren sie sich in den Ordner mit der englischen Bezeichnung „Program Files“. Läßt man sich beide Ordner anzeigen, kommt man schnell mal durcheinander oder kriegt bei dem Versuch, per Windows Explorer darauf zuzugreifen, den Fehlerhinweis, dass der Ordner „Programme“ doch gar nicht existieren würde.

Oder man kopiert oder verschiebt im Explorer Dateien und berührt mit der Maus dabei zufällig den Ordner „Meine freigegebenen Ordner“: Bums, der Kopier- oder Verschiebe-Vorgang wird abgebrochen! Ein Hinweisfenster will mit OK bestätigt werden: „Um freigegebene Ordner zu nutzen, melden Sie sich bitte bei Windows Live Messenger an.“ Na toll, geht das auch offline? Keine Ahnung. Mit Klick auf OK läßt sich die Meldung übrigens nicht schließen. O Schreck! Ist der Rechner etwa abgestürzt oder eingefroren? Nein, das OK will mittels Enter-Taste bestätigt werden. Es hat lange gedauert, aber ich habe es herausgefunden. Grrr…

2.) Die Vista-Suche

Die Suchfunktion in Windows Vista ist für mich noch ein Buch mit sieben Siegeln: Gibt man in das Suchfenster beispielsweise nach guter alter Sitte „*.avi;*.mpg“ (ohne Anführungszeichen) ein, um alle AVI- und MPG-Dateien zu finden, findet man: gar nichts. Vista interpretiert „*.avi;*.mpg“ offenbar als konkreten Dateinamen, der so natürlich nicht existiert. Der Hinweis der Vista-Hilfefunktion, mittels boolescher Filter wie AND oder OR zu arbeiten, führt zum selben Ergebnis: nix. Eventuell. weil Datei-Endungen unter Vista nicht zum Dateinamen gehören? Ich weiß es nicht.

Die Vista-Suche nach Dateien und Ordnern - findet auf klassische Weise erst mal nix.

Der Suchvorgang selbst dauert sehr, sehr lange. Vista meint dazu ganz trocken: „Die Suche ist eventuell langsam, da der Index nicht ausgeführt wird. Klicken Sie hier, um den Index einzuschalten…“ – Ja klasse, das hatte ich mir bei Windows XP doch angewöhnt: Den Index auszuschalten, um das System durch Hintergrundindizierung nicht auszubremsen. Der Suchvorgang ist unter XP grundsätzlich schnell – mit oder ohne Indizierung. Vista hat hier vermutlich eine künstliche Spaßbremse eingebaut, um den User zum Einschalten des Index‘ zu zwingen. Unverschämt!

3.) Verbindung trennen

Früher klickte man mit der rechten Maustaste auf das Verbindungssymbol in der Task-Leiste und dann mit der linken Maustaste auf „Trennen“ und die Internetverbindung war getrennt. Bei Windows Vista ist das nun ein Mauszeig mehr: Auch wenn man nur eine Online-Verbindung eingerichtet hat, muss man auswählen, dass man genau diese Internet-Verbindung trennen will. Grausam. Überflüssig. Ärgerlich.

Verbindung trennen - mit Windows Vista ein überflüssiger Klick mehr

Trotz übertrieben reißerischer Überschrift: Ja, Windows Vista ist gewöhnungsbedürftig. Einen gewaltigen Unterschied zwischen Windows XP und Windows Vista konnte ich bislang aber nicht feststellen. Wenn Windows Vista auf meinem Aldi-Notebook nicht vorinstalliert gewesen wäre, wäre ich heute weiterhin ausschließlich glücklich und zufrieden mit Windows XP. Einen überzeugenden Umstiegsgrund kann ich nicht erkennen. Genauso wenig wie einen Grund für den Downgrade von Windows Vista auf Windows XP.