Filesharing-Prozess in den USA: Der erste Verhandlungstag

Der erste Prozess der Musikindustrie gegen einen vermeintlichen Filesharer vor einem amerikanischen Schwurgericht (Alter Falter! berichtete) zieht sich wohl über mehrere Verhandlungstage, detailliert nachzulesen auf ars technica.

Am Dienstag wurden die 12 Geschworenen ausgewählt, die Anklage hat die schlechte wirtschafliche Lage der Musikindustrie bejammert und der Angeklagten vorgeworfen, die Festplatte ihres Rechners ausgetauscht zu haben, nachdem sie über die Copyright-Klage gegen sie informiert wurde, was von der Verteidigung bestritten wird – der Austausch der Festplatte hätte vorher stattgefunden, einzig aus dem Grund weil sie defekt war, und zwar auf Anraten eines Computerhändlers.

Die erste Zeugin der Anklage vertrat die Ansicht, dass das Kopieren gekaufter CDs und Downloads für die eigene Verwendung Diebstahl wäre.

Zum Beweis, dass es sich bei einem Song in MP3-Format und auf Audio-CD um identische Aufnahmen handelt, wurde der Titel „Don’t Stop Believing“ von Journey in beiden Formaten über Computer-Lautsprecher abgespielt.

Der Verteidiger führte an, dass man Menschen nicht anhand von IP-Adressen und Screenshots identifizieren könne. Der ersten Zeugin der Anklage entlockte er die Aussagen, dass die Musikindustrie den genauen Schaden durch Filesharing nicht beziffern könne, dass sie nicht wüsste, wieviele Leute sich Songs über den Rechner der Angeklagten heruntergeladen hätten und dass der Kampf der Musikindustrie gegen Filesharing ein echtes Geldgrab sei und schon viele Millionen gekostet hätte.

Klingt für mich alles ein bisschen Wischi-Waschi, zu wenig technisch und sogar ein Stück weit unjuristisch. Liegt vermutlich daran, dass harte Fakten weniger zählen als die Notwendigkeit, die 12 Geschworenen zu überzeugen – und das geht mit Emotionen wohl immer noch am besten.

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