Filesharing-Prozess in den USA: Der zweite Verhandlungstag

Am Mittwoch, den 3. Oktober 2007, fand der zweite Verhandlungstag im Prozess der amerikanischen Musikindustrie, vertreten durch die Recording Industry Association of America, gegen Jammie Thomas, eine dreißigjährige alleinerziehende Mutter, statt.

Während die Musikindustrie weiterhin im wesentlichen ihre schreckliche wirtschaftliche Lage bejammerte, behauptete die Angeklagte, das fragliche Filesharing-Programm Kazaa niemals heruntergeladen oder installiert zu haben.

Ein Schmankerl vom Vortag

Die Musikindustrie versuchte am ersten Verhandlungstag anhand von Zeitstempeln nachzuweisen, dass Thomas die MP3s auf ihrem Rechner niemals selber hergestellt haben könne, da die Differenz zwischen zwei Songs nur rund 15 bis 20 Sekunden und zwischen zwei Alben nur rund 30 bis 45 Sekunden betrug. Dies soll belegen, dass die Dateien von einer Festplatte, dem fehlenden Corpus Delicti, auf die neue Festplatte kopiert worden seien, was ja nach Meinung der amerikanischen Musikindustrie bereits eine unerlaubte Vervielfältigung darstellt.

Und beides ist natürlich ausgemachter Humbug. Seit wann ändert sich beim Kopieren von einer auf die andere Festplatte das Herstellungsdatum von Dateien? Und warum sollte der Kopiervorgang bei jedem neuen Album ein längeres Päuschen einlegen als zwischen zwei Songs vom selben Album? Blödsinn im Quadrat.

Die Verteidigung ließ nachweisen, dass die fraglichen Herstellungsdaten der Dateien durchaus durch eigenes Rippen zustande kommen können, in dem die Angeklagte vor Gericht zwei CDs rippen durfte: Eine in 2:36 Minuten, die andere in 2:17 Minuten. Die Anklage hat für die erste CD mehr als vier Minuten gemessen, für die zweite dreieinhalb Minuten – was nur belegt, dass der Anwalt der Musikindustrie noch nicht einmal die Uhr lesen kann.

Ein Prozess mit wenig Substanz und hohem Unterhaltungswert. Am heutigen Donnerstag werden beide Seiten ihre Schluss-Plädoyers halten und dann liegt es an den 12 Geschworenen – überwiegend absolute Computer-Analphabeten übrigens. Lassen wir uns überraschen.

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