Erster Filesharing-Prozess der Rechtsanwälte Schutt und Waetke

…mit einem Streitwert um die 60.000 Euro

Die Rechtsanwälte Timo Schutt und Thomas Waetke aus Karlsruhe sind in der Filesharer-Szene als Massenabmahner berühmt und berüchtigt. Laut Rechtsanwalt Dr. Alexander Wachs verschicken die beiden Karlsruher wohl mehr als 15.000 Abmahnungen pro Jahr.

Auch einen Arbeitskollegen von mir hat es letzte Woche erwischt – wegen einem Vorfall von Anfang 2007. Keine Ahnung, wie Schutt und Waetke an seine IP und damit an seine Adresse gekommen sind. Welcher Provider speichert die Flatrate-Daten seiner Kunden denn über anderthalb Jahre lang und gibt sie dann auch noch freiwillig heraus? Klingt für mich nach einem doppelten Verstoß gegen den Datenschutz. Aber weiter im Text.

Während Timo Schutt und Thomas Waetke bislang wohl ganz gut von ihren zahlungsbereiten Abmahn-Opfern gelebt haben, strengen sie nach Informationen von gulli.com jetzt den ersten wirklich großen Prozess gegen einen vermeintlichen Filesharer an. Das wird richtig spannend!

Rechtsanwalt Dr. Alexander Wachs, der das Abmahnopfer vertritt, ruft auf seiner Homepage zu Spenden für seinen Mandanten auf, zusammen mit dem Verein zur Hilfe und Unterstützung gegen den Abmahnwahn e. V., weil sich der von Schuett & Waetke veranschlagte Streitwert laut gulli.com wohl so um irrsinnige 60.000 Euro bewegen soll und der Prozess entsprechend teuer wird.

Dr. Wachs selbst scheint richtig Ahnung von der Materie zu haben („Vieleicht hätte die Kanzlei vor Klageerhebung doch einmal prüfen sollen, ob eine Rechtsverletzung im konkreten Fall denkbar ist.“ – Zitat Dr. Wachs). Und mit zusätzlicher fachlicher Unterstützung der beklagten Partei durch gulli.com werden die Herren Schutt & Waetke wohl einen schweren Stand haben. Auch wenn der Prozess vor dem Hamburger Landgericht stattfinden wird, das für seine – ähem! – innovativen Urteile bezüglich Rechtsverstößen im Internet berüchtigt ist.

Auch wenn Schutt & Waetke den Prozess mit Pauken und Trompeten verlieren würden – lassen wir uns überraschen -, bleibt das Filesharing urheberrechtlich geschützter Werke natürlich verboten. Also Finger weg von eMule, eDonkey, BitTorrent, Lime Wire, Gnutella und wie sie alle heißen!

Nachschlag vom 18.06.2008

Sehr interessantes Interview zum Thema mit Rechtsanwalt Dr. Alexander Wachs auf gulli.com.

6 Gedanken zu „Erster Filesharing-Prozess der Rechtsanwälte Schutt und Waetke“

  1. Das ist ja ein heftiger Streitwert. Ich frage mich wirklich, was der Angeklagte bei solch einer Summe gemacht haben soll? Natürlich ist es nicht in Ordnung die Plattenfirmen und vorallem die Künstler zu hintergehen, aber diese Summe ist doch arg hoch. Außerdem frag ich mich, wie die beweisen wollen, dass deren „Beweis-“ Daten korrekt und nicht manipuliert wurden (schließlich ist im Internet so einiges möglich bzgl. IP Fälschung) Naja, da kann man nur mal abwarten was daraus wird.

  2. Die Details zum Fall kenne ich auch noch nicht. Ich hoffe, gulli.com spannt uns nicht allzu lange auf die Folter. 😉

    Filesharing zu beweisen halte ich auch für extrem schwierig. Falsche IP-Nummern-Zuordnungen kommen ja häufig genug vor und Screenshots reichen hoffentlich auch dem Landgericht Hamburg nicht als Beweismittel aus. Sollte die IP-Nummern-Zuordnung zufällig mal stimmen – wie immer man das beweisen will – und in dem identifizierten Haushalt lebt mehr als eine Person wirds auch schon wieder schwierig.

  3. Dazu gab es gerade schon ein Update, das Interview mit Dr. Alexander Wachs folgt so bald wir seine Antworten hier haben. 😉

    Lars Sobiraj, Gulli News Redaktion

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