Ganz legaler Steuertrick Nr. 1001: Steuerhinterziehung

Wie der Fall Zumwinkel zeigt, lassen sich mit Steuerhinterziehung nicht nur Steuern sparen sondern sogar Gewinn erwirtschaften: 1,2 Millionen Euro Steuern hat Ex-Postler Zumwinkel hinterzogen, zu einer Geldstrafe von 1 Millionen Euro wurde er verurteilt. Ergibt einen hübschen Gewinn in Höhe von 200.000 Euro. Schneller lässt sich doch kein Geld verdienen!

Wichtig ist natürlich, dass man – sollte man denn tatsächlich mal erwischt werden – ein voll umfängliches Geständnis ablegt und den Vorfall bitter bereut. Für letzteres empfiehlt es sich, vorher ein paar Stunden Method Acting in einer Schauspielschule um die Ecke zu nehmen. Die Kosten dafür spielt man ja locker wieder rein.

Ich frage mich, wie lange die Bundesregierung dem Treiben unserer Justiz noch zusieht.

27 Gedanken zu „Ganz legaler Steuertrick Nr. 1001: Steuerhinterziehung“

  1. Hehe, guter Artikel.
    Mal schnell 200.000 € Gewinn gemacht. Fraglich wär jetzt wirklich, wie lange er die 1.2 Mio schon hinterzogen hatte damit man die Rendite ausrechnen kann.

  2. Kleiner Denkfehler…
    Die fällige Steuerschuld hatte er schon vorab gezahlt.
    Demnach ist die eine Million in der Tat Strafe obendrauf.

    Nichtsdesto trotz ist diese „Strafe“ natürlich ein Witz.

  3. Gewinn und Rendite sehen bei mir anders aus.
    *** Steuernachzahlung plus hoffentlich *** Versäumniszinsen (sicherlich mind. 6 Prozent p.a.) plus die *** Strafzahlung plus *** Vorbestrafung sollten meiner Meinung nach OK sein, wenn es bei den Kleinen auch so abläuft.

    Ich bin KEINESFALLS für Steuerhinterziehung.
    Evtl. hätte die Geldstrafe noch etwas höher ausfallen können, aber bei anderen Leuten hätten bereits diese Geldzahlungen(oder allein die Nachzahlungen) einen Bankrott nach sich ziehen können.

  4. Na gut, stimmt die Rechnung vielleicht nicht ganz. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass der gute Mann erst im reifen Alter mit Steuerhinterziehung angefangen hat. Zumindest haben ihm die verjährten Straftaten den Knast erspart. Und der tatsächliche Gewinn wird die 200.000 Euro sicher locker übersteigen – auch nach Abzug von 3,9 oder 4,9 Millionen Euro.

  5. Was ist mit dem BGH Urteil? Ab einer Million € Steuerhinterziehung sofort Knast hieß es vor ein paar Monaten als Leitsatz! Von wegen es gab keine Absprache…

  6. Um Zumwinkel den Knast zu ersparen wurden ein paar hunderttausend Euro als verjährt heruntergerechnet – angeblich wegen einer Justizschlamperei. Damit kam man dann unter die 1-Millionen-Grenze.

  7. Ja, Zumwinkel ist jetzt fein raus und kann den Lebensabend auf seiner Burg genießen. Sind ja noch ein paar Millionen übrig. In der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom wird auch gegen ihn ermittelt (Zumwinkel war Aufsichtsratschef und hat möglicherweise von den Bespitzelungen gewusst). Aber da es ja nun schon eine anderes Urteil gegen ihn gibt wird man die Telekom-Ermittlungen vermutlich bald einstellen (schreibt zumindest welt.de).

  8. Die Strafe ist in meinen Augen viel zu gering. Bei einem Vermögen von 13,1 Mio. Euro (bar) tun die 3 oder 4 Mios doch nicht richtig weh… Am Hungertuch wird er wohl sein restliches Leben nicht nagen.

  9. Eigentlich ist das unfassbar, dass so etwas klargeht. Wenn es nicht jetzt NICHT Zumwinkel gewesen wäre, dann hätten andere, unbekanntere Personen vermutlich die Strafe absitzen müssen. Ich fass es nicht, man muss nur bekannt und dreist genug sein, um es in diesem Staat zu etwas zu bringen…

  10. @14: So ein Quatsch. Es es genau andersrum. Nur Zumwinkel wurde derart ins Licht der Öffentlichkeit gezogen. Andere, die nicht so bekannt waren und deutlich mehr hinterzogen haben (teilweise über 8. Mio) haben dieselbe Strafe bekommen und danach kräht kein Hahn.

  11. Dass bei Zumwinkel die 1-Millionen-Grenze, die erst seit kurzem gilt und die Knast bedeutet hätte, schöngerechnet wurde, ist für mich offensichtlich. Ich denke, ein paar Monate Knast hätten Zumwinkel wieder besser schlafen lassen – vielleicht lässt er den Prozess ja nochmal neu aufrollen. Anschließend feiert er sein Comeback im Dschungelcamp und ist wieder der Liebling der Massen.

  12. Hab noch was vergessen: Man kann natürlich an dem Fall (und an allen anderen) darüber diskutieren ob das Steuerstrafrecht nicht allgemein zu lasch ist. Das wäre aber Aufgabe der Politik das zu ändern und NICHT der Gerichte, und auch Herr Zumwinkel kann dafür nichts und hat wie jeder andere das Recht nach geltendem Gesetz und nicht nach Empörungshaltung der Öffentlichkeit verurteilt zu werden.

  13. tjaja, eine riesensauerei,
    es gab zeiten, da hätt\‘ man ihn ausgebürgert oder in urlaub geschickt nach novosibirsk 😉

    o tempora, o managers!

  14. Hallo,
    die Rechnung ist falsch. Zumwinkel hat zunächst den Betrag, den er hinterzogen hat zurückbezahlt. Zusätzlich hat er 1 Mio. Euro an Strafe gezahlt. Er hat mit der Staatsanwalt zusammengearbeitet und denen Beweise geliefert, die sie ohne ihm nicht gefunden hätten. Das Interview des Staatsanwalts habe ich selbst gesehen. Er ist also nicht gut weggekommen oder hat schnelles Geld verdient, wie behauptet wird.
    Ihm ist auch eine andere Klage anhänglich und kann daher doch noch in Knast kommen, da er ja eine Bewährungsstrafe erhalten hat.

  15. Falsch, Zumwinkel hat nicht den Betrag zurückgezahlt, den er hinterzogen hat, sondern quasi nur die Spitze des Eisbergs, die noch nicht verjährt war.

  16. Ich glaube trotzdem, dass es ihm weh getan hat. Er hat so oder so 1 Millionen Euro verloren. Ob das jetzt genug war, steht aber auf einem anderen Blatt…

  17. Hallo,

    um es vorweg klarzustellen: Steuerhinterziehung kann ich nicht gutheißen.
    Im Fall von Herrn Z. möchte ich allerdings zu bedenken geben, dass zum einen die Steuerschuld von 1,2 Millionen € natürlich zurückgezahlt wurde, als Strafe ca. 1 Millionen € gezahlt wurden und aus den längst verjährten Steuerhinterziehungen das hinterzogene Geld ebenfalls zurückgezahlt wurde. Insgesamt hat Herr Z. damit knapp 5 Millionen € an die BRD gezahlt.
    Es sind also keine Schulden aus Steuerhinterziehung mehr anhängig!
    Es lohnt sich also sich ein komplettes Bild zu machen, bevor man hier aufgrung falscher Tatsachen die Justiz anprangert!
    Nichts desto trotz ist Steuerhinterziehung eine riesige Sauerei.
    Mfg

  18. „Unberücksichtigt bleiben vor Gericht verjährte Steuerschäden, die Zumwinkel mit seiner bereits 1986 eingerichteten Stiftung „Devotion Family Foundation“ vor 2002 angerichtet haben könnte. Dazu hat er sich im Prozess auch nicht geäußert. Unklar blieb dadurch, wann er welches Vermögen in die Stiftung gesteckt hat.“ (Zitat N-TV)

  19. das er gewinn gemacht hat, sei mal dahin gestellt.

    die frage muss lauten – ist die strafe abschreckung genung?
    und da finde ich, muss ich mit einem klaren – NEIN – antworten. ich habe keine ahnung was der herr zumwinkel so alles über die jahre verdient hat, vermute aber mal, dass es im vergleich mit der strafe und den rückzahlungen eher höhere summen waren.
    in diesem land gilt das weiterhin als kavaliersdelikt und kann weiter betrieben werden.

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