Die Gesellschaft für deutsche Sprache schafft sich ab

Wutbürger ist das Wort des Jahres 2010. Nach unmaßgeblicher Meinung der Gesellschaft für deutsche Sprache.

Die Gesellschaft wählt alljährlich die 10 Wörter, die die öffentliche Diskussion des jeweiligen Jahres angeblich wesentlich bestimmt haben. Google sieht das ein bisschen anders. *

1. Wutbürger: 67.800 Ergebnisse
2. Stuttgart 21: 2.250.000 Ergebnisse
3. Sarrazin-Gen: 557 Ergebnisse
4. Cyberkrieg: 189.000 Ergebnisse
5. Wikileaks: 25.600.000 Ergebnisse
6. schottern: 123.000 Ergebnisse
7. Aschewolke: 383.000 Ergebnisse
8. Vuvuzela: 505.000 Ergebnisse
9. Femitainment: 9 Ergebnisse
10. unter den Eurorettungsschirm schlüpfen: 192 Ergebnisse

* Ergebnisse abgefragt am 17.12.2010 über Google Deutshland für Seiten auf Deutsch für die Zeit vom 01.01.2010 bis 30.11.2010 – wobei diese Zahlen nicht in Stein gemeißelt sind, wie ich gerade feststelle, und offenbar davon abhängen, welchen Browser man benutzt und auf welchem der zig tausend Google-Server die Abfrage landet. Außerdem werden alte Ergebnisse mittlerweile ganz offensichtlich durch neue Treffer verfälscht. Naja, zumindest die Tendenz ist klar.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache führt als Entschuldigung an, dass für die Auswahl der Wörter des Jahres nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks entscheidend sei, sondern seine Signifikanz und Popularität. Ja nee, is klar… Der Ausdruck Femitainment ist ja auch so unheimlich populär.

Für mich sind die Wörter des Jahres das reinste Absurditainment (aktuell noch 0 Ergebnisse).

6 Gedanken zu „Die Gesellschaft für deutsche Sprache schafft sich ab“

  1. Ich habe das Wort „Wutbürger“ auch zum ersten Mal in Zusammenhang mit dieser Liste gehört. Kann also nicht so wichtig gewesen sein. Wenn ich mir die ersten zehn Ergebnisseiten von Google-News zu „Wutbürger“ ansehe, erscheint das Wort auch nur in Zusammenhang mit der Liste. In welchem Zusammenhang soll denn das Wort erschienen sein? Stuttgart 21? Atommülltransporte? Winterwetter?
    In meinen Nachrichtenquellen (Tageszeitung, Online-Nachrichten, Tagesschau) habe ich das Wort auf jeden Fall noch nie gehört.

  2. Hallo,

    ich weiß, der Artikel ist schon etwas älter (und im Internet vergeht die Zeit anscheinend noch schneller als sie es ohnehin schon tut), aber ich kann das hier nicht kommentarlos stehenlassen 😉

    Mir selbst war mir der Begriff „Wutbürger“ auch vor dessen Veröffentlichung in dieser Liste durchaus geläufig, obowohl er nur sehr selten in den Medien verwendet wurde. Um das aktuelle politische Klima und eine allgemeine Stimmung zu beschreiben, bedarf es manchmal eben eines (mehr oder weniger) neuen Begriffs.

    Und eines der zentralen, innerdeutschen Themen in 2010 war nunmal die Debatte um Stuttgart 21 und generell um mehr direkte Demokratie.
    Warum dann nicht „Stuttgart 21“ als Wort des Jahres? Das hat laut Google doch eine viel größere Popularität.

    Ganz einfach: Weil es glücklicherweise noch Bereiche in unserer Welt gibt, die nicht von einem Internetkonzern bestimmt werden. Sonst würde wahrscheinlich jedes Jahr „Sex“ oder etwas ähnliches als Wort des Jahres gekürt.
    „Stuttgart 21“ ist ja eher eines dieser „Unwörter“, es hat eine viel zu negative Konnotation.

    „Femitainment“ ist wohl auf ähnlichem Wege in diese Liste geraten: Es ist ein Stellvertreter für irgendwelche Feminismusdebatten, der wohl irgendwann mal in irgendeiner Schlagzeile war.
    Aus guten Grund ist dieser Begriff aber auf den hinteren Rängen 😉

    Ob das Wort des Jahres für uns wirklich so wichtig ist, wie wir immer tun, steht auf einem anderen Blatt. Denn eine allgemeine Stimmung eines Staates mit mehr als 80 Millionen Einwohnern in einem einzigen Wort zusammenzufassen ist quasi unmöglich.
    Hauptsache, es wird nicht von Google bestimmt.

    Grüße,
    Julian

  3. Es geht hier doch einfach nur um eine paar „Gelehrte“, die glauben, mit dem „Unwort des Jahres“ irgendetwas bedeutendes zu schaffen und anscheinend haben sie das auch, wenn man die vielen Artikel und Diskussionen dazu betrachtet.

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