GfK-Projekt ScanIT: Wenn der Konsumforschung der Konsument schnurz ist

Seit Ende 2005 habe ich meine Einkäufe des täglichen Bedarfs eingescannt und online an ScanIT übermittelt, einem Projekt der Gesellschaft für Konsumforschung, kurz GfK. Auch in Erinnerung an meinen alten Marketing-Professor Paul W. Meyer von der Universität Augsburg, einem GfK-Mitarbeiter der ersten Stunde und später Vorstand des berühmten deutschen Marktforschungsinstituts in Nürnberg.

Die Dateneingabe beim Projekt ScanIT ist ähnlich altmodisch wie der für die Dauer der Projekt-Teilnahme zur Verfügung gestellte Scanner mit seriellem Anschluss, der erst per Adapterkabel USB-tauglich ist. Und um einiges umständlicher.

GfK-ScanIT: Chmpignon alias ChampigignonOb man bei LIDL, ALDI, PLUS & Co. eine nicht existierende Kundenkarte vorgelegt hätte, musste man beispielsweise noch bis vor kurzem nach jedem Einkauf beantworten. Und, immer noch aktuell, ob der eingegebene Preis der Normalpreis oder ein Sonderangebot sei – anstatt vom Normalpreis als Standard auszugehen und ein Sonderangebot für den Fall der Fälle als alternative Auswahlmöglichkeit anzubieten.

Massenhaft falsch im System hinterlegte Artikelbeschreibungen konnte man mehrfach anmahnen, ohne dass jemand bei ScanIT Notiz davon nahm. Auf eine E-Mail-Anfrage erhielt ich irgendwann die lapidare Antwort, dass Artikelbeschreibungen immer nur zum Jahreswechsel korrigiert werden könnten, was für mich keinen Sinn ergibt, da sich der eingescannte Strichcode ja nicht ändert, die Statistik dadurch also keinen Schaden nehmen würde. Zudem entpuppte sich die Antwort als falsch, da Artikelbeschreibungen durchaus doch irgendwann im Laufe eines Kalenderjahres korrigiert oder verschlimmbessert werden. Nur die Champignon-Pizza im Doppelpack von ALDI-Süd heisst bei der GfK merkwürdigerweise immer noch „Champigignon“.

Bei soviel Arroganz und Ignoranz kann man schon mal leicht die Lust verlieren, im schlecht bezahlten Dienst der Verbraucherforschung tätig zu sein, und so habe ich das Einscannen, Eintippen und Absenden der Daten im letzten halben Jahr auch schon mal mächtig schleifen lassen, was die GfK jetzt dazu veranlasst hat, das Projekt ScanIT für mich für beendet zu erklären und die mir zur Verfügung gestellten Materialien zurückzufordern, möglichst im Original-Karton, inklusive einer mittlerweile überholten Software-CD – unter Androhung einer Schadensersatzforderung in Höhe von 200 Euro. Soviel sei der Uralt-Scanner nämlich noch wert.

Na gut, schnell ein letztes Mal eingeloggt und mir für zweieinhalb Jahre Arbeit meine Prämie ausgesucht: Ein iPod Nano 4 GB soll es sein, der Media-Player von Apple, der bei Amazon schon mal für rund 120 Euro zu haben ist. Das meine ich mit „schlecht bezahlt“. Eine echte Vergütung gibts für das Einscannen und Aufbereiten der Daten nämlich nicht, sondern bloß Punkte, die man für jeden Scan gutgeschrieben kriegt und jederzeit gegen Produkte aus einem Prämienkatalog eintauschen kann.

120 läppische Euro – das hätte man bei anderen Marktforschungsinstituten schon alleine für die zahlreichen Umfragen kassiert, die ScanIT immer mal wieder auf ihrer Internetseite veranstaltet. Oder für schriftlich und per Freiumschlag zu beantwortende, vollkommen sinnfreie Fragen, wie die, ob man das Shampoo „Mandelmilch“ von Kür oder Benny alleine verbraucht hat oder ob es auch von anderen Familienmitgliedern im Ein-Personen-Haushalt verwendet wurde. – Seufz!

Was Sinn machen würde und mich beim Einscannen sicher bei der Stange gehalten hätte, wäre die Führung eines Online-Haushaltsbuches: Wieviel habe ich wann für was ausgegeben? Diese Funktion wird von ScanIT leider nicht zur Verfügung gestellt. Mal als Anregung für den nächsten Jahreswechsel – so von Konsument zu Konsumforscher.

Ich werde meinen Marketing-Professor Paul W. Meyer trotzdem in guter Erinnerung behalten. Jetzt muss ich mir nur noch abgewöhnen, meine Einkäufe zum Einscannen rund um den PC zu drapieren.