Illegale Downloads: Sagt ein Halbtoter zum Sterbenden…

Die Berliner Tageszeitung taz, die wiederholt durch Abo-Aktionen vor dem Aussterben bewahrt wurde, zieht aus einer Studie über illegale Downloads die falschen Schlüsse und empfiehlt den Beschäftigten der Musikindustrie, sich neue Jobs zu besorgen: „Das Kerngeschäft von Plattenfirmen hat sich in Luft aufgelöst. Mit dem schlichten Verkauf von Musik, das steht jetzt fest, ist kein Geld mehr zu verdienen.“

Der Aufhänger von Studie und taz-Artikel ist das Album In Rainbows der britischen Band Radiohead, das man sich von der Radiohead-Homepage kostenlos im MP3-Format herunterladen konnte: „Trotzdem, das ergab nun die Studie der MCPS-PRS, luden die meisten Interessenten ‚In Rainbows‘ nicht umsonst auf der Radiohead-Seite herunter, sondern lieber illegal über Internettauschbörsen.“ (Zitat taz)

Ich selbst habe mir In Rainbows kostenlos von der Radiohead-Seite heruntergeladen, weil ich gar nicht wußte, wie die Qualität ist und ich keine Katze im Sack kaufe. 160 KBit/s, variable Bitrate, wie ich nach dem Download festgestellt habe. Qualitativ nicht berauschend, aber durchaus akzeptabel. Das Optimum fürs MP3-Format sind 320 KBit/s, konstante Bitrate.

Weiter schreibt die taz: „Im Klartext: Radiohead verschenkten ihr Album, aber die Hörer klauten die Musik lieber weiter wie gewohnt zwei Mausklicks nebenan.“

Grmpf! Da war es schon wieder. Kann man etwas klauen, was einem geschenkt wurde? Ich denke, nein.

Die taz räumt ein, dass sich In Rainbows in der Luxus-CD-Ausgabe akzeptabel verkauft und Radiohead volle Konzerthallen beschert hat, kommt aber wider besseren Wissens oder aus purer Doofheit zu dem mir unverständlichen Schluss: „An den Endkunden verkauft wird Musik demnächst nur noch in Notfällen.“

Aus meiner Sicht kompletter Blödsinn. Die deutsche Musikindustrie sollte sich ein Beispiel an der Filmindustrie nehmen. Die vertickt ihre DVDs spätestens ein halbes Jahr nach Erscheinen zu vernünftigen Kursen unter 10 Euro.