Ist Busengrapschen Unlauterer Wettbewerb?

Der Busengrapscher bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest ist zur Zeit das heißeste Thema in der deutschen Blogosphäre: 8 der 20 heute meistgelesenen Artikel der bei Bloggerei.de registrierten Blogs berichten beispielsweise davon. Ein toller Erfolg für den Radiosender, der den Skandal inszeniert hat!

Denn – man lese und staune – die Reichweiten deutscher Radiosender werden nicht etwa mit technisch aufwändigen Messverfahren ermittelt, wie man im 3. Jahrtausend eigentlich meinen sollte, sondern durch simple Telefonumfragen a la Kennen Sie Radiosender sowieso?

Klar, dass das Busengrapscher-Radio jetzt ganz hoch im Kurs steht. Denn zufällig ist gerade wieder Telefonumfragen-Saison zur Ermittlung von Radio-Reichweiten.

Da hilft es natürlich, wenn ein viel gelesener Teil der deutschen Blogosphäre über den Busengrapscher berichtet, mit häufiger Nennung des verantwortlichen Radiosenders und mit eingebetteten Videos und Bildchen, auf denen gekaufte Fans werbewirksam T-Shirts tragen und Fähnchen schwenken, die mit dem Namen des Busengrapscher-Senders bedruckt sind.

Und dass die Bild-Zeitung eine Foto-Love-Story über den Busengrapscher, die Ohrfeige des vermeintlichen Opfers und die anschließende Versöhnung zwischen Grapscher und Begrapschter veröffentlicht, schadet dem Erinnerungsvermögen der telefonisch befragten Radiohörer natürlich auch nicht.

Können andere Radiosender den Busengrapscher-Sender jetzt wegen Unlauterem Wettbewerb auf Schadensersatz verklagen? Unlauterer Wettbewerb liegt laut Wikipedia nämlich dann vor, „wenn das Verhalten von Unternehmen im wirtschaftlichen Wettbewerb gegen die guten Sitten verstößt“. Ich denke: Nein! Denn für mich verstößt bereits der Prozess der Reichweitenmessung von Radiosendern gegen die guten Sitten.

Diese Einsichten sind mir übrigens nicht wie Schuppen aus den Haaren gefallen, sondern ich verdanke sie der Lektüre eines sehr lesenswerten Kommentars auf DWDL.de.