Kirchenaustritt – Folge 3: Ich vermisse nix!

Trotzdem: 3 Ratschläge gegen den Mitgliederschwund

Vor über drei Monaten bin ich aus der Kirche ausgetreten – und bis heute vermisse ich nix! Was natürlich damit zusammenhängt, dass ich die „Angebote“ der Kirche bis dahin auch nicht genutzt hatte. Wobei ich gar nicht so recht weiß, was für Angebote das sein sollen.

Und das ganze banale Nichts für einen horrenden Monatsbeitrag, für den ich bestimmt Mitglied in zehn anderen Vereinen gewesen sein könnte.

Am peinlichsten fand ich immer die dreimonatige Club-Zeitschrift, die aussieht wie eine Schülerzeitung aus den 70er Jahren: Schwarzweiß-Druck und schlecht gesetzt. Straße und Hausnummer mit Kuli oder Filzstift draufgekritzelt. Ausgetragen von wehrlosen Kindern oder Rentnern, um Portokosten zu sparen.

Und dann der Inhalt der Club-Postille, an Depressivität kaum zu überbieten: Welche Ischen sind nicht mehr available, weil zu früh gestorben oder verheiratet. Ansonsten Foto-Stories über die Käseblatt-Austräger: Kinder und alte Leute, die offenbar zu Koch-, Back-, Bastel-, Sing- oder Musizier-Veranstaltungen gezwungen wurden.

3 Tipps, um den Mitgliederschwund zu stoppen

Aber weil ich so ein herzensguter Mensch bin, möchte ich die Kirche mit meiner Kritik nicht im Regen stehen lassen, sondern aufzeigen, was sie gegen den galoppierenden Mitgliederschwund meiner unmaßgeblichen Meinung nach unternehmen sollte.

1.) Informationspolitik

Die Kirche muss sich klar werden, weshalb ein gesunder, erwachsener Mensch, der noch alle Latten am Zaun hat, bei ihr Mitglied sein sollte und ihre Erkenntnisse anschließend entsprechend kommunizieren. Sonntags in der Kirche beten kann auch jedes Nichtmitglied. Hip Heiraten läßt sich auch ohne Clubausweis in Las Vegas, Dänemark oder sonstwo auf der Welt. Und die eigene Beerdigung juckt den Betroffen in der Regel am Wenigsten. Diese drei Killerargumente also erst mal ganz weit wegpacken und dann frisch ans Werk!

2.) Preis-/Leistungs-Verhältnis

Geht es vielleicht auch ein Stück weit weniger teuer? Warum so viel Geld für so wenig Leistung? Lasst euch nicht von Stiftung Warentest erwischen! Und erweitert eure Angebote auch über eure Zielgruppen – Kinder und alte Menschen – hinaus!

3.) Club-Zeitschrift

Warum nicht alle drei Monate ein knallbuntes Hochglanz-Magazin im Gala-Format per Postzustellung? Und mit DVD-Beileger: Die Meinung der Kirche zur aktuellen politischen und wirtschaftlichen Situation in bewegten Bildern. Und als Extra: Die 10 schönsten Strände, die der Papst noch nicht geküsst hat. Nur mal so als Beispiel.

Ich stelle abschließend fest, dass meine drei Ratschläge gegen den Mitgliederschwund ineinander greifen: Mehr Leistung für weniger Geld – und das Ganze hübscher verpackt.

Ach, wenn doch alles so einfach wäre wie das Stoppen von Kirchenaustritten!