Die Liste der Schande

Gestandenen Millionären sollte es eigentlich abgrundtief peinlich sein, sich für die selbstverschuldete Misere öffentlich bei der Bundeskanzlerin auszuweinen. Drogenkonsum ist keine Ausrede. Den Offenen Brief inklusive aller Namen der Unterzeichner, “Die Liste der Schande”, gibt es als PDF-File bei musikindustrie.de.

200 Millionäre unterzeichnen Offenen Brief an Angela Merkel

Die „World Intellectual Property Organization“, von der ich noch nie was gehört habe, hat den 26. April zum „Tag des geistigen Eigentums“ erklärt, wie heise berichtet. Anlass für die deutsche Musikindustrie, einen Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel zu schreiben und ihn am Freitag, den 25. April 2008, in drei großen Tageszeitungen zu veröffentlichen.

Da steht viel Unsinn drin. Zum Beispiel:

„Vor allem im Internet werden Musik, Filme oder Hörbücher millionenfach unrechtmäßig angeboten und heruntergeladen, ohne dass die Kreativen, die hinter diesen Produkten stehen, dafür eine faire Entlohnung erhalten.“

Das ist natürlich purer Blödsinn. Im Internet werden keine DVDs oder Audio-CDs angeboten und heruntergeladen, sondern zu 99,99% lediglich qualitätsreduzierte Kopien in verlustbehafteter Komprimierung, die von den Konsumenten in der Regel bei Gefallen in Originalqualität als DVD oder Audio-CD gekauft werden – sofern das nötige Kleingeld vorhanden ist und der Preis stimmt. Dass die Kreativen von diesen Erlösen keine faire Entlohnung erhalten, finde ich allerdings auch ziemlich schäbig von der „Industrie für geistiges Eigentum“.

Der Schluss-Satz stimmt dann aber fast schon wieder versöhnlich:

„Langfristig wird so die kulturelle und kreative Vielfalt in unserem Land abnehmen und wir verspielen eine unserer wichtigsten Zukunftsressourcen.“

Ja, die kulturelle und kreative Vielfalt in unserem Land nimmt tatsächlich ab. Da braucht man sich nur mal die deutschen Charts von heute anzugucken. Ich sag nur „Schnuffel“. Schuld daran sind aber nicht etwa die Downloader sondern die Industrien, die so einen Mist produzieren. Und wer Audio-CDs für 30 Euro und mehr verkaufen will, sollte sich nicht wundern, dass seine Absatzzahlen in den Keller gehen.

Gestandenen Millionären sollte es eigentlich abgrundtief peinlich sein, sich für die selbstverschuldete Misere öffentlich bei der Bundeskanzlerin auszuweinen. Drogenkonsum ist keine Ausrede. Den Offenen Brief inklusive aller Namen der Unterzeichner, „Die Liste der Schande“, gibt es als PDF-File bei musikindustrie.de.

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