Mensch Gottschalk und die Medien

Ich hatte die  Wetten-dass-Sendung mit dem schlimmen Unfall von Samuel Koch letzten Samstag live am Fernseher verfolgt. Im Gegensatz zum Rest der Welt fand ich die Wette allerdings nicht sonderlich spektakulär: Ein sportlicher und selbstbewußter junger Mann setzt mit Sprunggeräten unter den Füßen scheinbar locker über die ersten beiden Autos hinweg, so dass ich vor Langeweile schon fast wegdöse, als beim dritten Sprung das entsetzliche Unglück geschieht und der Wettkandidat wie tot am Boden liegen bleibt.

Dass Thomas Gottschalk die Sendung daraufhin abgebrochen hat, wird ihm unisono als menschliche Größe ausgelegt. Als genauso menschlich hätte ich es empfunden, wenn Gottschalk den kommenden ZDF-Jahresrücklick Menschen 2010 deswegen nicht moderiert hätte. Dass er es trotzdem tut, nehme ich ihm nicht übel. Aber interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass die Bild-Zeitung die entsprechende Pressemitteilung des ZDF von gestern 1:1 in ihre Online-Ausgabe übernommen hat – ohne jede Quellenangabe: Sieht aus wie ein Bild-Artikel, ist aber wortwörtlich der Text des ZDF! Wie billig ist das denn bitteschön? Auf die Qualitätsmedien ist auch kein Verlass mehr!

Und dass in der Medienlandschaft jetzt großartig über Veränderungen bei Wetten dass…? diskutiert wird, verstehe ich auch nicht. Ich hätte mich beispielsweise nicht gewundert, wenn der Wettkandidat aus der vorletzten Sendung, der 1000 Kerzen in 2 Minuten ausblasen wollte, am Ende vor Erschöpfung tot zusammengebrochen wäre. Oder wenn der Brustwarzen-Kaktus-Lecker sich aus Versehen einen Stachel in die Halsschlagader gerammt hätte.

Naja, the show must go on. Und die Medien sind halt ein Teil davon.

Wie hätte eigentlich ein Dieter Bohlen an Gottschalks Stelle reagiert? Vielleicht so: „Mensch, das kann ja meine Oma besser! Steh auf, geh weg, jetzt kommt Take That!“