Nahtod-Erfahrung einer Grafikkarte

Letzte Woche, im Alter von nur viereinhalb Jahren, hat meine AGP-Grafikkarte ATI Radeon 9800 Pro 128 MB damit angefangen, bunte Klötzchen und Streifen zu produzieren, wo keine hingehören. Ach du Scheiße! hab ich zuerst gedacht. Monitor kaputt!

Aber das Monitor-Menü ließ sich noch unbefleckt und streifenfrei aufrufen und die bunten Klötzchen erschienen auch schon zu Beginn des nächsten Hoch-Bootens, also noch bevor irgendwelche Grafikkarten-Treiber geladen waren. An einer Überhitzung liegt es nicht, da der Lüfter vernehmlich röchelt und eine Abkühlungspause keine Besserung brachte.

Auch neue alte Treiber und ein Raus- und Reinoperieren der Karte haben das Problem nicht behoben. Wird wohl irgendein Bauteil durchgeschmort sein. Das RAM vielleicht? Na klasse!

Flugs meine alte Leadtek WinFast GeForce2 MX400 aus dem letzten Jahrtausend aus dem Keller geholt und eingebaut und – jetzt kommts! – alles funktioniert: Surfen, E-Mails abrufen, Office-Programme, Bildbearbeitung, Videoschnitt, Musik hören… Nur Unreal Tournament 3 kann ich natürlich knicken.

Jetzt steh ich vor einem Dilemma: Kauf ich mir für über 100 Ocken eine High-End-Grafikkarte der aussterbenden Gattung AGP, die ich für meinen nächsten Rechner nicht mehr gebrauchen kann? Oder kauf ich mir für die Hälfte eine AGP-Karte mit veralteter Technik?

Die von Spiele- und Grafikkarten-Herstellern munter in Gang gehaltene Aufrüstungsspirale finde ich auf jeden Fall ziemlich zum Kotzen: Neues Spiel, neue Grafikkarte. Langsam versteh ich den Vorteil von Spielekonsolen.