Vinyl-Schallplatten kostenlos digitalisieren

Als ich letztens in meinen Vinyl-Schallplatten aus dem letzten Jahrtausend kramte, habe ich nicht nur erschreckt festgestellt, wieviel ich mir davon nochmal auf CD angeschafft habe (Bitte, liebe Musikindustrie! Meinetwegen nagt ihr nicht am Hungertuch!), sondern auch, dass einige meiner Vinyl-Schätze noch nie auf CD erschienen sind. Mach ichs mir halt selbst, hab ich gedacht. Ist auch gar nicht schwer, wenn man weiss, wies geht – und Windows aufm Rechner hat.

Schallplatten digitalisieren: So gehts!

Man benötigt:

– eine Verbindung vom Verstärker zum blauen Line-In-Anschluss der Soundkarte, z. B. ein Kabel mit 2 Cinch-Steckern und einem 3,5 mm Klinkenstecker, wie das hier von Amazon:

Hama Soundkartenkabel zum Schallplatten digitalisieren

(Wer seinen Plattenspieler direkt an den PC anschließen will, benötigt dafür einen Vorverstärker. Billige Teile wie dieses von Amazon sollen für den Zweck angeblich genügen. Ich habe das noch nicht ausprobiert.)

– das kostenlose Programm Audiograbber von www.audiograbber.de zum Aufnehmen
– das kostenlose Programm Audacity von www.audacity.de zum Schneiden

Als erstes öffnet man die Windows-Wiedergabesteuerung – das ist das kleine Lautsprechersymbol in der Task-Leiste unten rechts. Unter „Optionen“ | „Eigenschaften“ wechselt man auf „Aufnahme“, markiert „Line-In“ und stellt den Lautstärkeregler auf Maximum.

Audiograbber starten und auf „Datei“ | „Line-Aufnahme“ klicken. Dann den Plattenspieler anwerfen und in Audiograbber den Button „Aufnahm.“ betätigen (unten links, der mit dem Play-Symbol). Nachdem die Platte durchgenudelt ist, drückt man in Audiograbber den „Stop“-Button (rechts neben dem Aufnahme-Button) – fertig ist die WAV-Datei, die im Programmordner von Audiograbber liegt.

Die Option „Automatisch trennen“ ist übrigens nicht zu empfehlen, da sie leise Passagen unter Umständen nicht korrekt erkennt und als Pausen interpretiert. Ausserdem ist das Bearbeiten einer einzelnen WAV-Datei wesentlich geschmeidiger als das Bearbeiten vieler kleiner WAV-Dateien.

Die WAV-Datei öffnet ihr mit dem Programm Audacity, um die musiklosen Passagen am Anfang, am Ende und zwischen den Stücken rauszuschneiden. Das geht am besten, indem man die jeweilgen Passagen grob mit der Maus markiert (eine nach der anderen, nicht in einem Schritt), und das jeweils markierte Stück mit gleichzeitiger Betätigung der Tasten STRG und E ins Fenster einpasst. Jetzt markiert man fast sekundenbruchteilgenau den Teil, der tatsächlich keine Musik enthält (hier ist unter Umständen wiederholtes Probehören des markierten Teils angesagt und Anpassung der Markierung nach links und/oder rechts) und entfernt ihn mit der ENTF-Taste. Nicht am Anfang der Platte und auch nicht am Ende, aber zwischen zwei Stücken drückt man unmittelbar nach dem Entfernen gleichzeitig die Tasten STRG und B, um eine Schnittmarke einzufügen.

Zum Wechsel von der Detailansicht einer Stille-Passage zur Vollanzeige der WAV-Datei, um die nächste Stille-Passage zu lokalisieren und umgekehrt, benutzt man die Tastenkombinationen STRG-A (komplette WAV-Datei markieren) und STRG-E (markierten Teil – hier die komplette WAV-Datei – ins Fenster einfügen).

Das Ergebnis einer komplett bearbeiteten WAV-Datei sieht dann zum Beispiel so aus:

Schallplatten digitalisieren mit Audacity: WAV-Datei

In Audacity klickt man jetzt auf „Datei“ | „Mehrere Dateien exportieren…“, und markiert hier „Tondaten vor der ersten Textmarke mit einschliessen“ (sonst wird der erste Track nicht exportiert) und „Durchgehend nummerieren“. Mit Klick auf den Button „Export“ wird zu jedem Stück eine WAV-Datei erstellt – fertig! Die exportierten WAV-Dateien lassen sich jetzt als Audio-CD brennen oder fürs MP3-Autoradio oder für den MP3-Player in MP3s umwandeln – oder für was und in was auch immer.

Bei komplett verknacksten Platten werdet ihr vielleicht nicht ganz so viel Spaß mit der digitalen Version haben. Aber einzelne Knackser in leisen Passagen lassen sich mit der oben beschriebenen Methode entfernen: Knackser markieren, aufzoomen, genauer markieren, rausschneiden. Da ein Knackser in der Regel nur den Bruchteil einer Sekunde dauert, fällt das Rausschneiden kaum oder gar nicht auf. Auf jeden Fall weniger als ein fetter Kratzer.

Im Startmenü von Audiograbber (aktuell: Version 1.83 Special Edition) findet ihr übrigens eine prima Anleitung für Line-In-Aufnahmen, im PDF-Format, viel detaillierter als ich das hier schildern kann, und reichlich bebildert.

Viel Spaß beim Schallplatten digitalisieren!

Nachtrag:

Falls die mit Audiograbber erstellte WAV-Datei übermäßig knackt oder knistert, kann man sie probeweise mal durch die Light-Version des Shareware-Programms WavePurity von www.wavepurity.de schicken, bevor man sie mit Audacity weiterbearbeitet. Die Light-Version ist im Demo-Download von WavePurity enthalten: Man startet das Programm WavePurity Demo, klickt im Begrüssungsbildschirm aber nicht auf „Demo Version“, sondern auf „Light“, wählt „Bearbeiten einer Audiodatei“, öffnet die Audiograbber-WAV-Datei und klickt oben links auf „Assistent“. Hier hat man die Optionen Knistern und Knacken entfernen, Rumpel-Geräusche des Plattenspielers entfernen und Rauschen entfernen. Ich würds erstmal nur mit dem Knistern-und-Knacken-Filter probieren, habe aber noch keine großen Erfahrungswerte mit dem Programm.