Schmidt & Pocher & das Nazometer & die späte Wut

Fast drei Wochen nach der ersten Ausgabe von „Schmidt & Pocher“ ist die Aufregung groß: Schmidt und Pocher präsentierten das Nazometer, ein Gerät, das bei der Nennung von Begriffen wie „Gasherd“, „duschen“, und „Autobahn“ ausschlägt und Töne von sich gibt, ähnlich einem Metalldetektor, der einen Blechsplitter findet.

Ein platter Gag, der mir in meiner Kurzbesprechung der Sendung vom 26. Oktober 2007 noch nicht mal eine Erwähnung wert war: „Schmidt & Pocher: Wenig Neues, viel Altes – aber gut„.

Heute, am 14. November 2007, also 20 Tage später, hat es das Nazometer auf die Titelseite der Bild-Zeitung geschafft – ein typischer Fall von Treppenwitz: Mitglieder deutscher Rundfunkräte und des Zentralrats der Juden werden von der Bild-Zeitung vorgeführt, wie sie sich, viel zu spät, über die angebliche Verharmlosung der nationalsozialistischen Massenmorde aufregen.

Liebe Spätaufsteher: Harald Schmidt und Oliver Pocher haben keineswegs die unbeschreiblichen Greueltaten der Nationalsozialisten ins Lächerliche gezogen, sondern den Umgang der massenmedialen Öffentlichkeit mit dem Thema, der in dem Rauswurf von Eva Herman aus der Werbesendung Johannes B. Kerner gipfelte.

Aua! Einen schlechten Witz zu verteidigen tut ähnlich weh, wie der Schuss mit dem Penis aufs Tor. Aber was tut man nicht alles für die Quote! Nebenbei: Schmidt und Pocher dürfen sich morgen dank Bild-Zeitung auf eine Mörderquote (ups!) freuen.

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