Selbstmord-Superstar Robert Enke

Als sich Fußball-Nationaltorhüter Robert Enke letzten Dienstag von einem Regional-Express überrollen ließ, wurden zunächst die üblichen Mann-wirft-sich-vor-Zug-Witze gerissen: „Der war nicht zu halten!“ oder „Den konnte er nicht mehr an den Pfosten lenken!“. Ähnlich wie beim Pharma-Milliardär Adolf Merckle Anfang des Jahres: „Da hilft auch keine Zugsalbe!“.

Am nächsten Tag trauerte Robert Enkes Ehefrau öffentlich im Rahmen einer Pressekonferenz anstatt still im Familien- und Freundeskreis.

Am Wochenende dann die an ein Staatsbegräbnis erinnernde Trauerzeremonie für Robert Enke im Stadion, mit Politikern und anderen B-Promis.

Am Sonntagmittag begrüßt mich meine Mutter mit den Worten: „Jetzt habe ich die Trauerfeier für Robert Enke verpasst!“.

Mit einem Bedauern in der Stimme, als hätte sie sowohl Hochzeit als auch Beerdigung von Lady Di versäumt. Für mich am Verblüffendsten: Sogar den Namen Robert Enke hatte sich meine wenig sportbegeisterte Mutter gemerkt.

Bestimmt war Robert Enke ein liebenswerter Kerl. Aber ich befürchte, dass die massenmediale Aufbereitung seines Freitods einen Werther-Effekt auslösen wird, sprich zu einem signifikanten Anstieg von Nachahmungstaten führt.

Top, die Wette gilt!

14 Gedanken zu „Selbstmord-Superstar Robert Enke“

  1. Ist halt mal wieder nix besonderes los. Quelle *gähn*, Opel *och neeee, nicht schon wieder*…
    Aber zum Glück haben wir ja Fußball, da können wenigstens alle mitreden.

  2. Da muss ich dir zustimmen, auch wenn ich als einer der ersten darüber getwittert und gebloggt hatte (den Selbstmord) finde ich es nun eher übertrieben und störend, aber nun gut, die Schweinegrippe zieht nicht mehr so…

  3. Und wie asozial das ist, sich vor einen Zug zu werfen, wird in den Medien auch mal wieder ziemlich ausgespart. Obwohl es ja jemand bei der Trauerfeier erwähnt haben soll.

  4. Ach Stefan, erstmal war ich ziemlich sauer, dass Du mit diesem Thema so läppisch umgehst. Trotzdem, Deine These vom Werther-Effekt hat einen gewissen Reiz.

  5. Ich denke, der Enke (Hui, Reim!) hat einfach keinen anderen Ausweg als Selbstmord gesehen. Trotzdem hätte man natürlich eine etwas unscheinbarere Todesart wählen können, klar.

  6. für mich ist der Medienhype um den Tod und auch die Beerdigungszeremonie einfach nur geschmacklos. auch wenn es die Witwe so gewollt hat, ich glaube nicht das Enke das gefallen hätte….

  7. @Alex Bystrica:

    Dann bist Du wohl kein besonders empathischer Mensch.
    Die Aussage „Ich sehe keinen Grund für ENKES Selbstmord“ bietet viel eher Gesprächsstoff. Ob die Stilisierung des Themas in den Medien gerechtfertigt ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Das einzige worüber ich mir Gedanken mache bei solch einem Vorfall ist das Warum. Und darauf finde ich keine Antwort. In meinem Bekanntenkreis hieß es oft, ich könne die Beweggründe nicht nachvollziehen, da ich nicht von Depressionen betroffen sei. Ich kann nur soviel sagen: Ich hatte auch schon meine schweren Phasen im Leben. Doch immer wenn ich an einen Punkt kam, an dem ich mehr oder weniger verzweifelt war. Doch besonders in diesen Momenten dachte ich einfach an das, was ich Schönes habe im Leben. An die/den Menschen, die/den ich über alles liebe und ohne die/den ich nicht leben möchte. Meine Priorität war immer die Liebe, die immer stärker ist als alles andere. Robert Enke hat vor 3 Jahren sein Kind verloren. Schlimme Sache. Wenn nun auch noch seine Frau von uns gegangen wäre, dann hätte ich nachvollziehen können, dass er mit den Nerven am Ende gewesen wäre. Natürlich kann ich rechtfertige eine Selbsttötung nie rechtfertigen, da es mir mein Glauben und meine Überzeugung verbietet. Allerdings weiß ich ja nicht, wie das bei Enke aussieht. Wenn er jedoch dieses Jahr noch mit seiner Frau eine Tochter adoptiert und diese beiden Menschen so sehr liebt, wie es für Außenstehende rüberkommt, dann muss ich sagen kann ich die Handlung nicht nachvollziehen. Denn dann hat bei ihm nicht die Liebe gesiegt.

    Just my 2 Cents.

    Peace and love4all

  8. Schließe mich Kommentar #4 an:
    Hätte er es lieber allein im Stillen getan, hätte er auch anderen nicht seelisch wehtun müssen. Allein, was das für ein Anblick für den Regionalzugfahrer sein musste..

  9. Selten so einen pietätlosen – entschuldige die Wortwahl – Scheißdreck gelesen wie teilweise in den Kommentaren zu deinem Artikel hier. Menschenleben gegeneinander aufzurechnen oder mit dem Grad der Schlagzeilenträchtigkeit von Themen wie „Opel“ oder „H1N1“ zu vergleichen, zeigt wie asozial und abgestumpft unsere schöne, glattrasierte Konsumgesellschaft geworden ist. Einer der Aasgeier rühmt sich noch damit, es als erstes „gebloggt“ und „getwittert“ zu haben. Ja Grüßgott – da würde ich an deiner Stelle gleich mal zügig einen Antrag auf das Bundesverdienstkreuz 1.Klasse einreichen. Das sind Leistungen, die uns gesellschaftlich richtig weiter bringen.

    Laßt doch dem Mann und seiner Familie ihren Frieden. Die Entscheidung seiner Frau in die Öffentlichkeit zu gehen, ist dabei doch nachvollziehbar. Es steckt doch kein kommerzielles Interesse dahinter, sondern sie handelt aus reinem Selbstschutz. Lieber einmal, wenn auch sehr schmerzhaft, alle Karten auf den Tisch legen. Andernfalls wäre sie doch von Blödzeitung und Konsorten wochenlang auf Schritt und Tritt verfolgt worden, um jedes noch so kleine Detail herauszusaugen. Den Medienhype und die immense Anteilnahme als solches kann ich mir nur so erklären, dass hier eine Art Projektion auf die Person Enke und seine Problematik stattgefunden hat, die die Identifikation und das Mitgefühl enorm gesteigert haben. Trotzdem – und da gebe ich zumindest dem Artikel Recht – muss keine öffentliche Aufbahrung in seinem Heimatstadion staffinden. Das wurde ihm, dem eher Introvertierten, öffentlichkeitsscheuen, reflektierten Menschen, der so gar nicht dem allgemeinen Fußballerstereotypen entsprach, überhaupt nicht gerecht.

  10. @Robert:

    Da ist viel Wahres dran an Deinem Beitrag.
    Es ist ein bekanntes Phänomen, dass in unserer Konsumgesellschaft nur die körperliche Zufriedenheit des Egos in den Gedankengängen Gewicht hat und Empfindungen wie Anteilnahme und Empathie fast vollständig durch haltlose Ideale und Oberflächlichkeiten verdrängt wird. Die Seele verschwindet mehr und mehr und es bleibt nur noch Platz für die Genusssucht des Einzelnen. Ich habe dieser Gesellschaft schon lange den Rücken gekehrt.

    Peace and love4all

  11. Ich finde diesen ganzen Medienhype um den Tod und auch um das Begräbnis einfach nur makaber. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Enke das gewünscht hat.

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