Shanghai im Mai oder Der Chinese an sich

Anläßlich der Hochzeit einer Tochter einer Freundin meiner Freundin mit einem Amerika-Chinesen war ich neulich auf einen Sprung in Shanghai. Ganz interessant, die Metropole am Huangpu, und der Chinese an sich.

Bevölkerung

Sehr sympathisch, viele Chinesen. Dass die Volksrepublik China das bevölkerungsreichste Land der Erde ist, verwundert ein wenig in Anbetracht einer sehr restriktiven Familienpolitik (mal davon abgesehen, dass die gemeine Chinesin meines Erachtens gar nicht so super attraktiv ist).

Lena und Stanley

Wenn das Erstgeborene ein Mädchen ist, darf man es in vier Jahren noch einmal versuchen. Sollte es dann kein Junge werden, kriegt man in weiteren vier Jahren eine letzte Chance – wenn man Glück oder Beziehungen hat. So hat mans mir zumindest erzählt.

Isser nich goldig? - Dutsi, dutsi, dutsi!

Apropos „erzählt“: Wer als Nicht-Chinese stolz auf seine außerchinesischen Fremdsprachenkenntnisse ist, könnte in Shanghai leicht Depressionen kriegen – außer Chinesisch wird in Shanghai nicht viel verstanden. Dafür gibts im Marco-Polo-Reiseführer Shanghai eine eigene Rubrik „Chinesisch zum Zeigen“. Leider hat Marco Polo auf einer Seite die chinesischen Schriftzeichen vergessen. Da zeigt man nicht, da guckt man bloß.

Währung

Die chinesische Währung heißt Renminbi, gezahlt wird in Yuan. Ein Euro entspricht zur Zeit ungefähr zehn Yuan. Den Taschenrechner kann man also getrost zuhause lassen. Geld wechseln läßt sich in fast jeder Bank zum selben staatlich festgelegten Kurs. Maestro- und Kreditkarten sollen ebenfalls funktionieren. Devisentechnisch also alles herrlich unkompliziert.

Einreise

Wer als Nicht-Chinese nach China reist, benötigt ein passendes Visum in seinem noch mindestens 6 Monate gültigen Reisepass. Sollte man nicht direkt um die Ecke des zuständigen chinesischen Konsulats wohnen oder tagsüber arbeiten müssen, empfiehlt es sich, einen Visabeschaffungsdienst in Anspruch zu nehmen. Für das preiswerteste Touristenvisum – ohne die Möglichkeit bzw. Notwendigkeit, einen Abstecher nach Hongkong zu machen – haben meine Freundin und ich über www.visum-centrale.de pro Nase rund 40 Euro gezahlt – plus Hinschicken der Reisepässe per Einschreiben.

Flughafen Düsseldorf - auf nach Shanghai!

Wer übers Internet einen Flug nach China sucht, verwendet das Kürzel PVG, das für den internationalen Flughafen Shanghai Pudong steht, der rund 30 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt. Der zweite Shanghaier Flughafen, Shanghai Hongqiao (SHA), ist Start- und Landeplatz für innerchinesische Flüge.

Verkehr

Sehr fortschrittlich, wie zum Beispiel die bislang einzige kommerziell genutzte Transrapid-Strecke belegt. Der Megalev, wie der Transrapid in Shanghai heißt, verbindet Flughafen und Innenstadt. Mit gültigem Flugticket kostet eine Fahrt zum Flughafen 40 Yuan, Normalpreis ist 50 Yuan. Die Transrapid-Station ist nicht sonderlich spektakulär, sondern ähnelt einem überdachten S-Bahn-Bahnsteig. Auch die Fahrt mit 300 Stundenkilometern lässt einem nicht die Gesichtszüge entgleisen, außer beim Gähnen.

Haltestelle Transrapid

An allen großen Ampelanlagen Shanghais wird die Restdauer der aktuellen Rot- oder Grünphase in Sekunden angezeigt. Finde ich prima, wieso gibts das bei uns nicht? Hilft Spritsparen und sorgt für einen gleichmäßigeren Verkehrsfluß. Ampeln in Shanghai gelten übrigens offenbar nicht für Taxis und Zweiradfahrer. Als schmerzempfindlicher Fußgänger sollte man deshalb nicht blind auf die eigene Grünphase vertrauen.

Das Auto gilt in China wie bei uns als Statussymbol. Eine entzückende Macke der Chinesen: Fast jedes Automodell gibt es in einer Large-Version, alo extra lang, erkennbar am L hinter der Typenbezeichnung am Heck, speziell für China produziert, in keinem anderen Land der Welt erhältlich. Es fällt schwer, aber ich beende diesen Absatz ohne jede sexuelle Anzüglichkeit.

Rauchen

Chinesische Zigaretten kosten pro Packung zwischen 4,50 und 45 Yuan. Auf Anraten meiner nichtrauchenden Freundin („Wer weiß, was in den Billigdingern steckt“) habe ich mich aus gesundheitlichen Gründen (hüstel!) für die untere Mittelkasse entschieden: „Double Happiness“. Sehr hübsche Verpackung mit großem chinesischen Schriftzeichen und Lampions drauf. Geschmacklich kann ich Filterzigaretten eh nicht unterscheiden, da ich normalerweise filterlos rauche. Im übrigen hoffe ich darauf, dass die Krebsforschung irgendwann herausfindet, dass Krebs durch Zigarettenfilter verursacht wird und nicht durch die Inhaltsstoffe des Tabaks.

Das Opium-Komitee - hatte wohl leider gerade geschlossen...

Rauchen gehört in China zur ersten Bürgerpflicht, da der Staat das Tabakmonopol innehat, also ordentlich Geld damit verdient. Geraucht werden darf fast überall, auch im Restaurant – selbst wenn der Nebenmann noch isst! Das nenne ich mal Toleranz (oder wie heißt nochmal das Fremdwort für geduldete Belästigung…?).

Essen

„Der Chinese isst alles, was vier Beine hat – außer Tische und Stühle“. Diese humoristische Warnung eines Arbeitskollegen kann ich ein Stück weit bestätigen: Ein Paradies für Allesfresser! Ich dagegen wollte gar nicht so genau wissen, was da an jeder Straßenecke auf Holzstäbchen gesteckt, gegrillt und verkauft wird. Spätestens, seitdem ich irgendwas mit Tentakeln und Saugnäpfen ausgemacht habe und sich braune Geleeplättchen mit weißem Rand, „garantiert vegetarisch“, als Schweineohren in Aspik entpuppt haben – ein Kommunikationsproblem zwischen chinesischem Bräutigam und Küche, wie sich leider erst hinterher herausstellte. (Würg!)

Ein frittierter Fisch? Oder vielleicht doch eine Fledermaus?

Die Schwärmerei einer Bekannten über das fabelhafte Essen in China kann ich so gar nicht nachvollziehen: „Seitdem ich in China war, geh ich in kein deutsches China-Restaurant mehr“. Stimmt, in deutschen China-Restaurants steckt in jedem Gericht mindestens eine Scheibe Bambussprosse – in China sind ganze Bambussprossen, nicht in Scheiben geschnitten, nur eine Beilage unter Abermillionen. Außerdem gibt es in China nicht zu jedem Gericht automatisch Reis dazu sondern in der Regel nur auf Bestellung. Es gilt in China nämlich angeblich als unhöflich, dem Gast unaufgefordert diese Sättigungsbeilage vorzusetzen.

Nur Dekoration? Oder ein Goldfisch-Frischhaltebecken?

Ich weiß die deutschen China-Restaurants nach meiner Shanghai-Reise jedenfalls erst so richtig zu schätzen – auf meine M9 lasse ich nichts kommen (Schweine- oder Hühnerfleisch süß-sauer). Außerdem liebe ich in Scheiben geschnittene Bambussprossen und Reis.

(Wird fortgesetzt, wenn ich die Reiseführer wiederfinde…)