Skiunfall Althaus: Rechts vor links?

Was mich beim österreichischen Blitzurteil gegen den alpinen Geisterfahrer und Thüringer Ministerpräsidenten am meisten verwundert, ist, dass Dieter Althaus im Monat bloß 5.550 Euro netto verdienen soll, nämlich 185 Euro pro Tag.

Kann das wirklich sein? Was macht er falsch?

Ähnlich erstaunlich finde ich, dass man für eine tote Ehefrau und Mutter in Österreich nur die doppelte Abwrackprämie bekommt, nämlich 5.000 Euro. Das ist zumindest das Schmerzensgeld, das Dieter Althaus an den Ehemann der verstorbenen Beata C. abdrücken muss. Also einen Tacken weniger, als Dieter Althaus jeden Monat von Thüringen aufs Konto überwiesen kriegt.

Eventuell hat ja strafmildernd gewirkt, dass Dieter Althaus von rechts kam, wie die Rekonstruktion des Unfallhergangs belegt. Dass Dieter Althaus gegen die Fahrtrichtung bergauf gekurvt ist, entspricht allerdings sicher nicht den Verhaltensregeln des internationalen Skiverbandes FIS. Insofern geht die Verurteilung des Thüringer Ministerpräsidenten aus meiner Sicht in Ordnung.

Das menschliche Drama des Skiunfalls ist zweifelsohne hollywoodreif. Vielleicht sollte Dieter Althaus deshalb mal den umgekehrten Weg gehen und Schauspieler werden anstatt Politiker zu bleiben.

23 Gedanken zu „Skiunfall Althaus: Rechts vor links?“

  1. 5000 Euro ist doch wohl ein Witz, entweder ist er unschuldig oder nicht. 5000 Euro klinkt wie „eigentlich kann er nicht wirklich was dafür, aber da er nunmal beteiligt war und die Frau tot ist, soll er halt ein klein wenig zahlen“…

  2. Da sieht man mal was Politikern ein Leben wert ist. 5000 Euro und die muss man bestimmt auch noch mit 40% versteuern.
    @Grueni: Natürlich kann er was dafür. Oder gelten auf der Skipiste andere Regeln? Nicht nur das er gegen die Fahrtrichtung fuhr, er begab sich auch noch auf einen Anfängerbuckel..Das ist nicht wirklich nett! (Und unbekannt war ihm das ja auch nicht, also war er kein Geisterfahrer, sondern ein Pistenraudi)
    Gibt es ähnliche Verurteilungen an denen kein Politiker beteiligt war?

  3. Das Problem der 5000? Ein Tod ist „billiger“ als eine (dauerhafte) Verletung. Das ist auch bei uns so. Ob allerdings 5.000 (entspricht ja gerade mal Begräbniskosten für ein etwas größeres Begräbnis) .Ob das aber so schön ist mit der Verteilung 5000 Opfer : 30.000 Spenden, das zweifle auch ich leicht an. Aber die gesamte Summe denke ich ist schon ok.

    Ein Tod lässt sich nicht ausgleichen, nicht mal mit ner Million, Haft- oder Todesstrafe. Letztere ist eh verboten, Gefängnis nur in Fällen bei denen Wiederholungsgefahr besteht erlaubt – und somit Geldstrafe anzuwenden. Und so traurig das Geschehen auch ist: es bleibt ein SportUNFALL. Was ist denn, wenn beim Fußball einer grätscht und der Fallende sich das Genick bricht. Soll das dann Mord sein, weil auf brutale Weise vorsätzlich aus dem Hinterhalt, z.B. von Hinten, gegrätscht wurde?

  4. Mal langsam…..
    Das war ja nur die strafrechtliche Seite.
    Der Zivilrechtsprozeß kommt ja anschließend (außer man einigt sich außergerichtlich) und da wirds deutlich teuerer (zahlt aber eh‘ die Haftpflicht).

    Spannender find‘ ich die Tatsache wie Althaus hier von den Ösis nicht zurückgetreten wird, das muß er wohl morgen oder so selber tun……

    Aber Straftäter in höchsten politischen Ämtern haben eine lange Tradition (auch in Deutschland).

    Also ruhig Blut.

  5. Naja… „NUR“… Gut, für einen Ministerpräsidenten vielleicht wirklich nicht viel, aber soweit ich weiß, gibt es noch div. steuerfreie Zuschläge, wie z.B. für das Halten eines eigenen Büros etc.

    Also der „arme“ Mann wird sicherlich nicht mit dieser kleinen Summe im Monat über die Runde kommen müssen… und wenn doch, wir können ja sammeln gehen 😉

  6. Ja, verkehrte Welten: In Amerika kriegt man 400.000 Dollar Schadensersatz dafür, dass man sich einen Becher Kaffee auf die Weichteile schüttet, wenn nicht extra draufsteht, dass der Kaffee heiß sein könnte. Und in Österreich kriegt man 5.000 Euro Schadensersatz, wenn eine Frau und Mutter getötet wird. Wird tatsächlich zwischen Sport- und anderen Unfällen getrennt? Fände ich schon komisch, weil tot ist tot. Naja, für Unbeteiligte ist Rechtsprechung eh meist eins: komisch.

  7. Was wäre denn passiert wenn „Otto-Normal“ solch einen Unfall provoziert hätte? Würde es uns vor dem Richter helfen wenn wir sagen „Ich hab einen Fehler gemacht, aber ich kann mich leider auch nicht mehr erinnern was da passiert ist“
    Ein Minister darf das, auch wenn er eine Familie zerstört hat.

    Und morgen in seinem Amt darf er vielleicht sogar neue Gesetze zum Bußgeldkatalog unterschreiben!

    Und übermorgen wenn er am politischen Rednerpult steht und für Gerechtigkeit kämpft kräht wahrscheinlich kein Hahn mehr danach das er ein Menschenleben auf dem Gewissen hat.

  8. Nein, Sport- und „Normal“unfall werden an sich nicht verschieden betrachtet – aber da beim Sport z.B. beide ein Risiko eingehen wird das idR weniger streng betrachtet. Wie käme dass auch, wenn bei jedem gebrochenen Schienbein im Fußball wegen gefährlicher (da die Stollen an den Schuhen möglicherweise als Waffen anzusehen sind) Körperverletzung verurteilt würde? Da ist nichts mit Geldstrafe, 3 Monate bis 5 Jahre schon bei „minderschweren“ Fällen gem. § 226 StGB (sorry, musste sein 😉

    Die Ösis haben ein ziemlich ähnliches Rechtssystem, von daher dürfte das übertragbar sein.

    Und wenn du sagst, tot ist tot: Ja, stimmt. Aber auch wenn es statt 5000 50.000 EUR wären, würde das nichts helfen. Tot ist und bleibt tot, der Schmerz ist und bleibt wohl immer irgendwie da.

    Bin mal gespannt, ob die politische Konkurrenz ihre Versprechen hält und nicht zulasten des UNFALLS Werbung macht. Althaus wird mit Sicherheit selbst genug damit zu tragen haben. Und btw, jeder der Ski fährt wird schonmal ein paar Schlenker auf der Piste gefahren sein. Auch mal ein paar Meter bergauf.

    Wer die Justiz kritisiert kann sich ja mal gleich dran versuchen. Leute die was vereinfachen wollten, waren von den Nörglern schon immer gerne gesehen – beim Abgang. Siehe z.B. Kirchhoff.

    Lustig finde ich auch, wie die österreichischen Staatsanwälte reagieren: das schnelle Urteil schade dem Ruf der Justiz. Welchem Ruf denn? Langsam und träge zu sein? ISt das etwa ein Ruf, den zu schützen wichtig ist?? 😀

  9. Als Ministerpräsident verdient er etwa doppelt soviel wie oben genannt.

    Die eigentliche Strafe bekommt er noch. Auch wenn sich manche in der CDU an ihn klammern: Er wird sich trotzdem nicht halten können.

  10. @Silvi: Nur dass sich Althaus vermutlich wirklich nicht erinnern kann. Hallo, er lag im Koma! Da weiß man danach nicht mehr alles, das ist einfach so.

    Ganz abgesehen davon hilft es nicht, zu sagen dass man nichts weiß. Es hilft nur, wenn man keine Absicht hatte. Und wenn man keine Absicht hatte und trotzdem bekennt, man werde sich für sein Handeln verantworten, dann macht das einen noch besseren Eindruck. Das Strafrechtssystem soll vor allem vor Wiederholungstaten abschrecken. Und auch die Maximalstrafe von 1 Jahr Knast stand für Althaus nicht zur Debatte: die ist nur für Fälle konkreter Wiederholungsgefahr.

  11. Die Strafe ist einfach nur der Witz überhaupt. Wer nimmt den denn jetzt noch ernst?! Ich werde in ihm immer den Unfallverursacher sehen, der meiner Meinung nach schuld ist..

  12. Ich kenne niemanden der nicht etwas verwundert über das Strafmaß war. Aber es ist halt leider überall so dass Seilschaften einem Vorteile verschaffen. Und in diesen Kreisen kennt man sich halt und hilft sich. Jedenfalls meine Meinung und Auffassung des Ganzen.

  13. Mit dem ungewohnt schnellen Urteil wollte man Dieter Althaus eine rasche Rückkehr in die Politik ermöglichen. Der Schuss ging aber mal ganz mächtig nach hinten los: Jetzt munkelt man von einem Promi-Bonus.

    Die einzige Möglichkeit für die CDU, Kapital aus dem Drama zu schlagen, sprich Wählerstimmen zu kassieren, wäre ein Rücktritt von Dieter Althaus als Ministerpräsident von Thüringen. Das würde nochmal größtmögliches Mitleid für Dieter Althaus wecken – also die Gefühlsregung, die bislang fast ausschließlich der Getöteten bzw. ihrer Familie zuteil wird.

    Natürlich muss der Rücktritt von Dieter Althaus jetzt möglichst lang hinausgezögert werden, am besten bis zu einer Woche vor dem Wahltermin. Denn auch Mitleid währt nicht ewig.

  14. Ein Tagessatz zu 185 Euro mal 30 Tage sind halt 5550 Euro. Netto wohlgemerkt, nicht brutto. Einen waschechten Ministerpräsidenten hätte ich auf mindestens 15.000 Euro monatliches Bruttogehalt taxiert. Plus Aufwandsentschädigungen. Plus Nebentätigkeiten. Plus sonstwas. Naja, vielleicht hat Dieter Althaus nach dem Skiunfall auch vergessen, wieviel er tatsächlich verdient.

  15. Wer von euch fährt Ski? Oder Auto? Oder Fahrrad, Inliner, Eislaufen, sonstwas?

    Was macht ihr, wenn da mal was passiert? Und jetzt sagt nicht, ihr passt aber total auf und da könne gar nichts passieren. So bald ihr schneller fahrt als Schleichgeschwindigkeit ist es gefährlich. Oder schon früher. Auch die angeblich 10km der Frau waren offenbar zu viel (oder sie zu abgelenkt?) um auszuweichen.

  16. Schon Ski gefahren?

    40km/h ist schnell, aber noch nicht „rasen“. Und auch bei 10km gibt es eigentlich durchaus Möglichkeiten, und sei es nur die Arme vor den Kopf zu reißen.

    Wie auch immer, es wird wohl nie zu klären sein wie es zu dem Unfall wirklich kam. Ja, Althaus war auf der „anderen“ Piste, aber das passiert jeden Tag millionenfach. Die Piste war LEER! Es erstaunt mich echt, dass zwei erfahrene Skifahrer offenbar beide nicht 100% aufgepasst haben.

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