Stiftung Warentest testet MP3-Player

Obwohl die Stiftung Warentest in ihrem aktuellen MP3-Spieler-Test Äpfel mit Birnen verglichen hat, Wichtiges vergessen und Unwichtiges überbewertet hat, gebe ich ihr ein schwaches „ausreichend“. Dafür, dass sie meinen aktuellen Lieblings-MP3-Spieler nicht zwischen den Fingern hatten – und aus Respekt vor Westentaschenträgern.

Alter Falter! testet den MP3-Player-Test von Stiftung Warentest

Stiftung Warentest nimmt im aktuellen Juli-Heft 19 kleine MP3-Player unter die Lupe. Genauer: „MP3-Spieler“ oder „Musikspieler im Westentaschenformat“ – soviel Deutsch muß für die Stiftung Warentest und seine Westen tragende Leserschaft wohl sein. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist der Test für die Tonne. Aber eins nach dem anderen.

Ton:

Stiftung Warentest testet den Klang über die mitgelieferten und einen hochwertigen Kopfhörer. Gar nicht verkehrt. Aber dass die Tests mit den mitgelieferten Kopfhörern ins Endergebnis einfließen, ist schlecht, da die mitgelieferten Ohrstöpsel in der Regel nichts taugen und eh gegen hochwertige ausgetauscht werden. Dass die Störwirkung nach außen in die Ton-Wertung eingeht, finde ich wieder gut – allerdings schweigt sich Stiftung Warentest darüber aus, mit welchen Kopfhörern sie die Störwirkung getestet hat. Das ist schlecht.

Akkubetrieb:

Die Bestnote „sehr gut“ für das Kriterium Akkulaufzeit vergibt die Stiftung Warentest im Test nur ein einziges Mal, für ein Auslaufmodell von Sony, das eine illusorisch anmutende Akkulaufzeit von 47 Stunden haben soll. Wer braucht sowas? Wer, bitte schön, hört 47 Stunden Musik oder Hörspiele, ohne einmal an einem PC oder an einer Steckdose vorbeizukommen? Vielleicht Sahara-Touristen, die sich verirrt haben? Die sind doch schneller vertrocknet als der Akku aufgebraucht ist. Für eine Akkulaufzeit von 26 Stunden gibt es nur noch ein „gut“, für satte 13 Stunden bereits ein „befriedigend“. Vollkommen weltfremd!

Ein weiteres Kriterium, das in die Note Akkubetrieb einfließt, ist, ob sich Akku oder Batterien wechseln lassen. Ich denke, dass viele MP3-Player-Akkus ihre Besitzer überleben werden – nicht nur die Sahara-Touristen aus meinem Beispiel. Lasse ich als Kriterium deswegen nicht gelten.

Handhabung:

Ein fehlendes Display bewertet Stiftung Warentest mit „mangelhaft“, was beim iPod Shuffle von Apple zur Abwertung führt. Nicht, dass ich den mir verhassten iPod auf Teufel komm raus verteidigen wollte – er hat einen scheiß Coolness-Faktor, ähnlich wie Rolex-Uhren, und ist gleichfalls überteuert. Aber wer seine MP3s im Griff hat, braucht halt kein Display. Apropos: Ob die MP3-Player ihr Liedgut in alphabetischer Reihenfolge abspielen, in der Reihenfolge, in der es draufkopiert wurde, ob sie Ordnerstrukturen beherrschen oder sich an vorhandenen ID3-Tags orientieren – all das war der Stiftung Warentest keine Erwähnung wert.

Vielseitigkeit:

Wenn ein MP3-Player keine Videos abspielen oder Fotos anzeigen kann und er weder Mikrofon, Radio, Spiele oder Uhr besitzt, dann gibt das bei der Stiftung Warentest Abzüge in puncto Vielseitigkeit. Moment, was wurde hier nochmal getestet? – Ach ja, MP3-Spieler. Komisch. Und obwohl der iPod Shuffle keine der erwähnten Zusatzfunktionen hat, reicht es bei ihm immerhin noch für ein „befriedigend“, was seine Vielseitigkeit angeht, während sein Kollege „TrekStor i.Beat sweez FM“ mit Radio und Mikrofon in der gleichen Disziplin ein „ausreichend“ bekommt. Noch komischer.

Fazit:

Obwohl die Stiftung Warentest in ihrem aktuellen MP3-Spieler-Test Äpfel mit Birnen verglichen hat, Wichtiges vergessen und Unwichtiges überbewertet hat, gebe ich ihr ein schwaches „ausreichend“. Dafür, dass sie meinen aktuellen Lieblings-MP3-Spieler nicht zwischen den Fingern hatten – und aus Respekt vor Westentaschenträgern.

Die aktuellen MP3-Player-Bestseller bei Amazon