Zweitverwendung ungestempelter Briefmarken verboten

Kurz bevor die Post alle ihre Filialen schließt und durch Tante-Emma-Läden ersetzt, hatte ich gestern innerhalb weniger Tage bereits die zweite unheimliche Begegnung der dritten Art mit dem deutschen Briefmarken-Monopolisten.

Früher, als ich noch häufiger Briefe verschickte, war es für mich selbstverständlich, versehentlich unabgestempelte Briefmarken von erhaltenen Zusendungen rechteckig auszuschneiden – mit gehörigem Sicherheitsabstand, um die Zacken nicht zu verletzen – und mittels Prittstift auf meine Versandstücke zu kleben. Ablösen per Wasserdampf war mir schon immer zu umständlich. Und es ging ja auch jahrelang gut.

Gestern bringe ich einen auf diese Weise frankierten Brief zum Abwiegen in meine Postfiliale und erfahre, dass das im Grunde gar nicht erlaubt, ja quasi verboten wäre: Einmal benutzte Briefmarken, die von der Post nicht abgestempelt wurden, dürfen kein zweites Mal verwendet werden! – Aber Hallo!

Trotzdem war die Post-Mitarbeiterin am Schalter nach Rücksprache mit einer Kollegin so nett, mir eine Quittung über den „versehentlichen Untergang von Postwertzeichen“ o. ä. auszudrucken und diese von mir unterschreiben zu lassen. Anschließend hat sie meine Bastelarbeit mit einer dieser hässlichen neumodischen Automatenmarken überklebt. Ohne dass ich dafür einen Cent hätte berappen müssen.

Dankbar und beschwingt verlasse ich meine Postfiliale. Freundlicher und zuvorkommender kann die Posteinlieferung demnächst bei Tante Emma auch nicht sein.